Politik : Maul- und Klauenseuche: Quarantäne für importierte Schweine

Ulrike Fokken

242 britische Schweine auf einem bayerischen Hof stehen unter Arrest. Sie dürfen nicht vom Hof gebracht werden, geschweige denn ihre Gülle oder ihr Fleisch nach der Schlachtung. Die Schweine sind erst vor zwölf bis vierzehn Tagen von Großbritannien nach Bayern gekommen und könnten den Erreger der Maul- und Klauenseuche in sich tragen und verbreiten. Das Bayerische Ministerium für Verbraucherschutz teilte daher gestern mit, dass der Hof unter einer "Quarantäne-ähnlichen Beobachtung" stünde. So wie dem bayerischen Landwirt geht es noch einigen Dutzend anderen in Deutschland, sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin.

Einige hundert Tiere sind in den vergangenen Wochen aus England nach Deutschland gekommen und sind nun über das ganze Land verstreut. Da die Maul-und Klauenseuche hoch infektiös ist, müssen die Bauern und Tierärzte schnell handeln. Das Land Nordrhein-Westfalen hat bereits vorsorglich 350 britische Schafe getötet und verbrannt. Sie stammen laut einem Sprecher der Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) aus dem Seuchengebiet in England. Das Bundeslandwirtschaftsministerium von Renate Künast (Grüne) teilte unterdessen mit, dass die Länder die kürzlich aus England importierten Tiere vorsorglich töten dürften.

Die Maul- und Klauenseuche ist eine äußerst ansteckende Viruskrankheit, die Schweine, Schafe, Ziegen und Rinder befallen kann. Kranke Tiere bekommen blutende Blasen auf der Zunge, an den Mäulern und zwischen den Zehen oder Klauen. Für den Menschen ist die Krankheit - so weit bekannt - ungefährlich. Sie ist bislang nicht seuchenartig vom Tier auf den Menschen übertragbar, die Erreger sterben beim Erhitzen ab. Die Tiere werden nun auch nicht in Massen gekeult, um einen Schaden vom Menschen abzuwenden, sondern um den Handel und die Landwirtschaft zu stützen. Sobald ein Land die Maul- und Klauenseuche meldet, bricht der Fleisch- und Tierabsatz des Landes oder der Region zusammen. In Deutschland war die Seuche das letzte Mal 1988 aufgetreten und galt seitdem hier zu Lande als ausgerottet.

Seit 1991 werden in den Ländern der Europäischen Union keine Tiere mehr gegen die Seuche geimpft. Da es rund 60 verschieden Unterarten des Erregers gibt, ließen sich die Tiere nicht einfach mit mit einem "Cocktail" gegen alle diese Arten immunisieren, sagte Matthias Kramer von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere laut dpa. Zur Tötung tausender Tiere in Großbritannien gebe es keine wirkliche Alternative. "Wenn diese Methode Erfolg hat, ist sie das schnellste Verfahren, so archaisch es auch aussieht", sagte Kramer, stellvertretender Leiter des Instituts. Am Vormittag war in Bonn der zentrale Krisenstab des Landwirtschaftsministeriums zusammengekommen. Mit Staatssekretär Alexander Müller (Grüne) berieten die Experten, wie Deutschland mit der Seuche umgehen will. Da sie das Ende ihrer Sitzung mehrfach verschoben, lag bis Redaktionsschluss kein Ergebnis vor.

Eine Länderumfrage der Nachrichtenagentur AP ergab indes, dass aus Großbritannien importierte Bestände nicht nur in Nordrhein-Westfalen oder Bayern, sondern auch in weiteren Bundesländern isoliert wurden. Blutproben der Tiere seien nach Tübingen geschickt worden. Mit den Ergebnissen wird jedoch nicht vor Mitte der Woche gerechnet. Auch die Kontrollen am Frankfurter und am Münchner Flughafen wurden verstärkt. In Niedersachsen wurden rund 3000 aus Großbritannien importierte Schweine entdeckt. Die Bestände auf den 20 Höfen seien isoliert worden und würden von Tierärzten laufend kontrolliert, hieß es. In Hessen wurden die Schweinebestände zweier Höfe untersucht, in denen Tiere aus Großbritannien standen. Weil die Bluttests ohne Befund blieben, wurde die Quarantäne wieder aufgehoben. Die Landesregierung forderte Landwirtschaftsministerin Renate Künast dazu auf, das seit 1991 geltende Impfverbot aufzuheben, damit sofort nach einem möglichen Ausbruch Schutzimpfungen beginnen könnten.

In Schleswig-Holstein ergaben Nachforschungen, dass vor sechs Wochen rund 30 Schweine aus England geliefert worden waren. Auch hier seien Blutproben nach Tübingen geschickt worden, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Der Betrieb sei vorläufig gesperrt worden. In Sachsen-Anhalt war bereits vergangene Woche ein Schweinestall mit 320 Tieren unter Quarantäne gestellt worden. Inzwischen sei aber Entwarnung gegeben worden.

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