Politik : Maul- und Klauenseuche: Stummer Protest

Thomas Roser

Resolut weist der in die Kritik geratene niederländische Landwirtschaftsminister bisher die Forderung zurück, auch die Tiere von Schweinezüchtern außerhalb der Epidemie-Gebiete zu einem marktgerechten Preis aufzukaufen. "Die Regierung darf nicht zum größten Schweinehalter der Niederlande werden," lehnt Laurens Brinkhorst finanzielle Entschädigungen des Staates für nicht unmittelbar von der Maul- und Klauenseuche (MKS) betroffene Betriebe vorläufig weiter ab: Eine derartige Aufkaufregelung würde den Staat monatlich "hunderte von Millionen Gulden" kosten.

"Harte Aktionen" hat inzwischen Jan-Gerrit Doornbos, der Chef des Bauernverbands LTO, angekündigt, falls Den Haag nicht bald einlenke. Einige der verzweifelten Landwirte wollen sich schon jetzt auf brave Demonstrationen nicht mehr beschränken. In Kootwijkerbroek lieferten sich aufgebrachte Bauern in der vergangenen Woche aus Wut über die Räumung ihrer Betriebe heftige Gefechte mit der Polizei. Schweinekadaver baumelten als stummer Protest von den Bäumen. In Zoetermeer blockierten Landwirte am Mittwoch die Autobahn A 12 und sorgten für einen kilometerlangen Stau.

Seit dem Ausbruch der MKS in den Niederlanden vor vier Wochen wurde die Seuche bisher auf 25 Höfen festgestellt. Schweinezüchter sind bislang von der Epidemie nicht betroffen. Doch droht dem exportorientierten Sektor der größte ökonomische Schaden. Auf eine staatliche Aufkaufregelung können - bei Zustimmung der EU-Kommision - nur die Betriebe innerhalb der ausgewiesenen Epidemiegebiete im Umkreis der betroffenen Höfe hoffen, deren Tiere vorsorglich geschlachtet werden müssen. Die Züchter außerhalb der MKS-Gebiete kämpfen mit dem Wegfall der Exportmärkte, dem Preisverfall und den begrenzten Kapazitäten der Kühl- und Schlachthäuser.

Jede Woche werden im Königreich 400 000 Schweine geboren. Trotz der Lockerung des Transportverbots außerhalb der Epidemiegebiete herrscht in den Ställen drangvolle Enge, in den Kassen der Züchter gähnende Leere: Viele Schlachthäuser weigern sich, noch Tiere anzunehmen, weil sie das Fleisch nicht absetzen können, ihre Lagerhallen voll sind. Das Landwirtschaftliche-Ökonomische Institut (LEI) in Wageningen hat in einer Studie für das Agrarministerium bereits die Höhe des drohenden Schadens zu berechnen versucht. Bei einer Ausbreitung auf 50 MKS-Fälle würden die einmaligen Kosten für die Räumung der Höfe rund 80 Millionen Gulden (71,2 Millionen Mark) betragen.

Die wirtschaftliche Not treibt manche Landwirte offenbar zur Überschreitung der Vorsichtsmaßregeln zur Eindämmung der Seuche. Der belgische Agrarminister berichtete bereits, dass er "Signale" erhalten habe, dass niederländische Bauern versuchten, ihre Tiere zu "DumpingPreisen" an ihre flämischen Kollegen zu verscherbeln. Auch der Ausbruch der Seuche in der bis dahin verschonten Provinz Friesland nährt den Verdacht, dass manche Bauern Tiere aus den abgeschlossenen Epidemie-Gebieten herausschmuggelten. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen Gerüchten nach, denen zufolge der Eigentümer des verseuchten Hofes in Kootwijkerbroek möglicherweise seinen Betrieb aus finanziellen Gründen bewusst infizierte.

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