Politik : Mazedonien: Albaner rufen die Nato

Mazedonien treibt trotz internationaler Bemühungen um eine politische Lösung immer weiter auf einen Bürgerkrieg zu. In der Nacht zum Dienstag protestierten Tausende aufgebrachte Demonstranten in Skopje dagegen, das die albanischen Rebellen mit ihren Waffen aus Aracinovo abziehen durften. Einige stürmten das Parlament und schossen mit Sturmgewehren in die Luft. Am Tage beschoss die Armee mehrere Dörfer im Rebellengebiet. Führer der größten albanischen Parteien in Mazedonien betonten, nur ein "schnellstmögliches" Eingreifen der Nato könne einen Bürgerkrieg noch verhindern.

Der mazedonische Präsident Boris Trajkovski warnte nach der Erstürmung des Parlaments vor einem Bürgerkrieg. Das Staatsoberhaupt rief am Dienstag in einer Fernsehansprache alle Bürger dazu auf, ihre Wut zu kontrollieren, Ruhe zu bewahren und an einer Lösung mitzuwirken. Auch die Europäische Union warnte vor einer Eskalation der Lage. Der britische Außenminister Jack Straw sagte einen Besuch in Skopje ab. Die albanischen Separatisten drohten damit, die Gewalt nach Skopje zu tragen.

Trajkovski äußerte Verständnis für die Empörung der Demonstranten, verurteilte aber die Gewalt. Mit der Demonstration hatten die Mazedonier ihren Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, dass sich die Regierung dem Druck der EU und der Nato gebeugt hatte und die Rebellen mit ihren Waffen aus dem Dorf Aracinovo nahe der Hauptstadt Skopje abziehen ließ. Polizeireservisten stürmten in das Parlamentsgebäude und schossen unter dem Jubel der Demonstranten vom Balkon einige Salven in die Luft. Auch vom Vorplatz aus feuerten Reservisten Schüsse in den Himmel. Die Stimmung vor dem Parlament heizte sich weiter auf, als bekannt wurde, dass bei einer Schießerei zwischen mazedonischen Truppen und albanischen Rebellen in Tetovo ein Polizist getötet und drei verletzt wurden. Die Menschen warfen Steine und riefen: "Albaner in die Gaskammer!", "Verräter" und "Gebt uns Waffen". Die Menge verbrannte Bilder von EU-Vertretern. Der Abzug der UCK-Rebellen mit ihren Waffen in Bussen aus Aracinovo verlief indes ohne größere Zwischenfälle. Die Kämpfer wurden in von ihnen kontrolliertes Gebiet gebracht.

Die schwedische Außenministerin Lindh verteidigte im Namen der EU die Entscheidung, die Rebellen ziehen zu lassen. Es habe keine andere Option gegeben, sagte sie in Luxemburg. Es gebe keine militärische Lösung, bekräftigte sie den Standpunkt der EU. Auch Nato-Generalsekretär George Robertson betonte, die Rolle der Nato im Mazedonien-Konflikt sei beschränkt auf das Einsammeln von Waffen albanischer Rebellen. Dafür stehe die Nato bereit, betonte Robertson am Dienstagabend in Brüssel. Voraussetzung sei aber ein von allen Seiten respektierter Waffenstillstand.

Ein Reuters-Kameramann berichtete indes aus der Region Kumanovo im Nordosten Skopjes, die Armee beschieße drei Dörfer mit Artillerie, Panzern und Maschinengewehren. Die Ziele liegen bei Aracinovo.

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