Politik : Mazedonien: "Beiden Seiten fehlt es an Vertrauen"

Andreas Ernst

Zumindest das Wetter dürfte den 350 britischen Soldaten vertraut gewesen sein, die seit Mittwochabend in grauen Transportflugzeugen der Royal Air Force in Skopje landeten: Es regnete.

Bei für Briten gewohnt feuchtem Klima werden die Streitkräfte aus 12 Nationen in den nächsten Tagen auf ihre Standorte verteilt. Die Kommandozentralen richten sich in Skopje und Kumanovo ein. Die Sammelpunkte, an denen die mehr als 4000 Mann starke Truppe die freiwillig abgegebenen Waffen der Rebellen in Empfang nehmen sollen, befinden sich im UCK-Operationsgebiet in den Grenzregionen zu Kosovo und Albanien. Immer wieder betonen Nato-Sprecher, dass der Einsatz zeitlich begrenzt sei und die Sammelaktion nach 30 Tagen abgebrochen werde. Doch hier glaubt niemand, dass das militärische Potential der albanischen Rebellen durch die Operation "Harvest" entscheidend geschwächt werde. Ein albanischer Politikwissenschaftler ist der Auffassung, die Aktion würde zum gewünschten Ergebnis führen, wenn auf beiden Seiten ein Minimum an Vertrauen vorhanden wäre: "Aber genau daran fehlt es."

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Chronologie: Auslandseinsätze der Bundeswehr
Hintergrund: Die NATO-Operation "Essential Harvest"
Die Beteiligten: Welches Land wieviel Soldaten nach Mazedonien schickt Die mazedonische Regierung betont zwar immer wieder, dass sie die Operation begrüße, die sie durch ihre Einladung schließlich ausgelöst hat. Doch für hohe Beamte ist es ein offenes Geheimnis, dass die Entwaffnungsaktion nur der Beginn eines weiter reichenden Engagements ist. "Es ist der Anfang eines langen Weges", sagt auch Verteidigungsminister Buckovski. Damit steht er im Gegensatz zu Innenminister Boskovski, der sich zuversichtlich gibt, dass nach termingerechtem Abschluss des Nato-Einsatzes mit weiter kriegswilligen Rebellen aufgeräumt werden könne. Nato-Sprecher in Skopje heben nun den psychologischen Effekt der Aktion und die positive Dynamik hervor, die dadurch ausgelöst werde.

Allerdings hat auch die Nato selbst im Land ein "Vertrauensproblem". Viele slawische Mazedonier sind überzeugt, dass die Nato mit der UCK unter einer Decke stecke und daran arbeite, das Land zu teilen. Die Evakuation von UCK-Truppen aus dem umkämpften Arancinovo durch die Nato, die von Kfor-Truppen lange schlecht bewachte Grenze zum Kosovo und das gemeinsame Posieren von Nato-Offizieren und UCK-Kommandanten vor laufenden Kameras haben den Verdacht zur Gewissheit werden lassen. Trotz dieser Ablehnung, die von vielen slawischen Medien genährt wird, verbinden manche Mazedonier auch Hoffnungen mit dem Einsatz. "Nur die Nato kann die UCK wieder aus unsern Dörfern vertreiben," sagt ein Mann an einer Strassensperre bei Blace: "Bis es soweit ist, bleiben wir hier." Das Land habe gar keine andere Wahl, als die Nato willkommen zu heissen, äußert dagegen ein mazedonischer Radiojournalist. Es sei offensichtlich geworden, dass die Regierung das Staatsterritorium nicht mehr kontrolliere. "Die Frage ist allerdings: Wird die Nato eine Demarkationslinie besetzen und damit die Teilung des Landes vollziehen, oder hilft sie, die Souveränität des Staates wieder her zu stellen." Von beidem ist im Mandat für die Nato nicht die Rede.

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