Politik : Mazedonien erbittet EU-Hilfe für Flüchtlinge

CHRISTOPH VON MARSCHALL

BERLIN .Mazedonien hat die Europäische Union offiziell um humanitäre Hilfe bei der Versorgung der Kosovo-Flüchtlinge und um Wirtschaftshilfe gebeten."Unser kleines Land ist völlig überlastet", sagte Mazedoniens Botschafter Srgjan Kerim dem Tagesspiegel."Der Krieg im Kosovo droht auch die Nachbarstaaten zu destabilisieren.Wir müssen mit einer Welle von über 100 000 Flüchtlingen rechnen." Mazedonien habe bereits über 20 000 Kosovo-Flüchtlinge aufgenommen.Außerdem seien 12 000 NATO-Soldaten und 1500 OSZE-Beobachter dort."Unsere Aufnahmekapazitäten sind überschritten."

Mazedonien hat etwa die Größe Mecklenburg-Vorpommerns und zählt zwei Millionen Einwohner.Die Regierung erwarte, daß Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz bei der Unterbringung der Flüchtlinge helfe, und daß die EU Geld bereitstelle, so Kerim.

Kerim widersprach Meldungen, Mazedonien habe die Grenze zu Kosovo und dem übrigen Serbien geschlossen, nachdem in den jüngsten Tagen an die 2000 Menschen täglich gekommen seien."Frauen, Kinder und ältere Flüchtlinge aus Kosovo lassen wir aus humanitären Gründen weiter herein." Es kämen aber auch viele Menschen aus dem serbischen Mutterland.Diese würden zurückgewiesen."Unsere Gastfreundschaft hat Grenzen." Er forderte Griechenland, Rumänien und Bulgarien auf, Mazedonien Kosovo-Flüchtlinge abzunehmen.Die Anrainer hätten vor wenigen Wochen beschlossen, die Last zu verteilen."Das muß jetzt erfolgen, Die Flüchtlinge müssen ihre Sicherheit nicht unbedingt in Westeuropa suchen.Aber die Aufnahme in den Nachbarstaaten wird nur funktionieren, wenn die Europäische Union Hilfe leistet."

Kerim wies darauf hin, daß das Qualifikationspiel zur Fußball-EM Mazedonien - Irland in Skopje am Sonnabend vermutlich abgesagt werden müsse, weil es keine Hotelzimmer für die irische Nationalmannschaft gebe."Es ist alles belegt mit Flüchtlingen."

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