Politik : Mazedonien: Fluggesellschaften streichen Skopje

Nach schweren Kämpfen am Wochenende haben beide Konfliktparteien in Mazedonien am Montag einen Waffenstillstand ausgerufen und damit eine Entspannung der Lage herbeigeführt. Zuerst verkündete die Regierung in Skopje eine Waffenruhe, kurz darauf zogen die albanischen UCK-Rebellen nach. Während Regierungsberater Nikola Dimitrov keine Frist nannte, erklärten die Separatisten, sie ließen ihre Waffen für 24 Stunden - bis Dienstag 14 Uhr - ruhen.

Stark besorgt äußerte sich am Montag der EU-Ministerrat über die Lage in Mazedonien und verurteilte "die andauernden terroristischen Aktionen der albanischen Extremisten". Diese müssten ihre Waffen niederlegen, hieß es in einer in Luxemburg von den Außenministern der 15 EU-Staaten verabschiedeten Erklärung. Gleichzeitig wurden von Skopje schnelle Reformen gefordert, um dem Verlangen der albanischen Minderheit nach Gleichstellung nachzukommen.

Die Rebellen hatten der Regierung am Vortag ein Ultimatum gestellt und mit einem Angriff auf die Städte gedroht, wenn sie ihre Offensive nicht spätestens Montagmorgen abbreche. Dimitrov wies jedoch Deutungen zurück, wonach Skopje den Drohungen der bewaffneten Extremisten nachgegeben habe. Man habe sich zu der Feuerpause auf Drängen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie aus humanitären Gründen entschlossen, sagte der Regierungsberater.

Noch am Montagmorgen hatten Regierungstruppen Stellungen der Separatisten im Grenzgebiet zum Kosovo unter schweren Beschuss genommen. Das Artillerie- und Maschinengewehrfeuer schien vor allem auf die Ortschaft Slupcane westlich von Kumanovo gerichtet zu sein. Am Nachmittag wurde das Feuer dann eingestellt. Bis dahin waren nach Angaben der Rebellen ein Zivilist getötet und vier verwundet worden.

Am Sonntag hatte ein albanischer Kommandeur erklärt, die Rebellen würden den Krieg in die Städte tragen, sollten die Streitkräfte ihre Angriffe im Norden und dem am Samstag besetzten Hauptstadtvorort Aracinovo bis zum Montagmorgen nicht einstellen. Als mögliche Ziele der Separatisten nannte der Kommandeur den Flughafen von Skopje, Raffinerien, Polizeiwachen und andere Einrichtungen.

Trotz der Drohungen verlief der Flugverkehr nach Skopje am Montag relativ normal. Lediglich British Airways und die jugoslawische Fluggesellschaft JAT stellten ihre Flüge nach Skopje aus Sicherheitsgründen ein, die Swissair flog statt der Hauptstadt den südlicher gelegenen Flughafen von Ohrid an.

Skopje/Lopate (dpa/rtr/cl). Die mazedonische Regierung hat nach Rundfunkberichten eine Waffenpause in Kampf gegen albanische Rebellen angeordnet. Seit den Mittagsstunden schwiegen die Waffen im Norden, wo die Sicherheitskräfte am Morgen eine neue Offensive begonnen hatten, berichtete der Rundfunk in Skopje. Die Anordnung folgte zeitlich einer Drohung der Rebellen, die bei weiteren Angriffen gedroht hatten, die Hauptstadt Skopje mit Granaten anzugreifen.

Wegen der Verschärfung des Konflikts in Mazedonien hatten zuvor die meisten Fluggesellschaften, die Mazedonien anfliegen, ihre Verbindungen in die Hauptstadt abgesagt. Es werde nur ein Flug erwartet, der womöglich ebenfalls ausfallen werde, bestätigte die Flughafeninformation in Skopje am Mittag. Zunächst hatte die britische Fluglinie British Airwais ihre Verbindungen von London nach Skopje abgesagt, meldete die Belgrader Nachrichtenagentur FoNet. Später teilte auch die Swissair mit, sie habe ihre Flüge "aus Sicherheitsgründen" ins südliche Ohrid umgeleitet.

Die Albanerrebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) halten das Dorf Aracinovo am Rande der mazedonischen Hauptstadt besetzt. Die Ortschaft liegt neben der Autobahnstrecke zwischen Skopje und dem Flughafen.

Wegen wiederholter Drohungen der albanischen Rebellen, Skopje unter Beschuss zu nehmen, hatte die Armee noch am frühen Montagmorgen ihre Angriffe auf Stellungen der Freischärler fortgesetzt. Ein Rebellenkommandeur mit dem Decknamen Hoxha hatte bekräftigt, er warte zehn Kilometer vor Skopje nur auf den Schießbefehl. "Das Militär hat nicht nur unsere Warnung ignoriert, sondern auch Zivilisten verletzt", sagte Hoxha der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. "Also müssen sie jetzt unsere Waffen hören." In der Hauptstadt öffneten die Geschäfte und belebten sich die Straßen jedoch wie gewohnt. Das Innenministerium beruhigte die Menschen mit den Worten, es bestehe keine Gefahr für Leben und Gut der Bürger.

Die Kfor-Friedenstruppe in der angrenzenden jugoslawischen Provinz Kosovo stoppte mehrere Transporte mit Nachschub für die Rebellen. Sie nahm zwölf Männer fest, die Waffen und Lebensmittel für die mazedonischen Rebellen transportierten. Sechs Albaner hätten in der Nacht zum Sonntag versucht, in fünf Lastwagen 27 Anti-Peronen-Minen, 40 Maschinengewehre, sechs Panzerfäuste, eine Werfergranate sowie Pistolen und Munition über die Grenze zu schmuggeln. "Die Lastwagen waren voll. Sie hatten Tonnen von Wasser, Tonnen von Kleidern und Medikamente im Wert von 25 000 Dollar (rund 57 500 Mark) geladen", sagte ein Kfor-Sprecher. Unabhängig voneinander seien zudem zwei weitere Gruppen von Waffenschmugglern gestoppt worden.

Die umkämpften Dörfer im Norden des Landes, Slupcane und Matejce, sind seit einem Monat in der Hand der albanischen Rebellen. Dichte Rauchwolken stiegen am Morgen in der Umgebung auf und das Echo der Detonationen hallte in dem Tal rund 40 Kilometer nordöstlich von Skopje wider. In den Dörfern sitzen noch Tausende von Zivilisten fest.

Die albanischen Freischärler kämpfen nach eigenen Angaben für die Rechte ihres Volkes in Mazedonien. Es ist dort in der Minderheit; nach offiziellen Angaben liegt der Bevölkerungsanteil der Albaner bei rund 25 Prozent. Die Albaner selbst gehen von mindestens 33 Prozent aus. Die Regierung bezeichnet die Freischärler als Terroristen und wirft ihnen vor, gemeinsam mit den Kosovo-Albanern separatistische Ziele zu verfolgen und den Anschluss ans Kosovo anzustreben. Die jugoslawische Provinz steht seit Ende des Kosovo-Krieges im Sommer 1999 unter internationalem Schutz. Europäische Union (EU) und Nato haben als Verantwortliche für die Sicherheit im Kosovo zugesagt, die Nachschubwege für die Rebellen abzuschneiden.

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