Mazedonien : Im Schatten von Alexander dem Großen

Griechenland wehrt sich seit dem Zerfall Jugoslawiens 1991 gegen den neuen Staatsnamen "Mazedonien“. Der Streit über Mazedonien lähmt das Nato-Bündnis.

Thomas Gack[Brdo]

Das vergangene Wochenende war für das Atlantische Bündnis nicht ermutigend. Beim informellen Treffen der EU-Außenminister im slowenischen Brdo ist es nicht gelungen, die griechische Ministerin und den als Gast anwesenden mazedonischen Außenminister mit vereinten Kräften dazu zu bringen, den alten Streit über den Staatsnamen „Mazedonien“ zu begraben. Der lästigste Namensstreit droht nun zu einem peinlichen Stolperstein zu werden, der die 26 Staats- und Regierungschefs der Nato bei ihrem Gipfeltreffen diese Woche in Bukarest aus dem Tritt bringen könnte.

Griechenland wehrt sich nämlich seit dem Zerfall Jugoslawiens 1991 gegen den neuen Staatsnamen „Mazedonien“, den die Regierung in Skopje für die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien gewählt hatte – sehr zum Ärger der Griechen, die eine Art historisches Urheberrecht auf den alten Namen beanspruchen. Das Mazedonische Reich Alexander des Großen erstreckte sich weit auf das heutige Griechenland, in dessen Norden die griechische Provinz Mazedonien liegt. Die Griechen fürchten deshalb, dass die einst jugoslawischen Mazedonier mit dem Staatsnamen einen Herrschaftsanspruch auf ein „Groß-Mazedonien“ anmelden könnten. Um alle Missverständnisse und Fehlinterpretationen zu vermeiden, bezeichnen die EU, die Nato und die internationale Staatenwelt die neu entstandene Balkanrepublik offiziell als „Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“ – ein Kompromiss, der keine der beiden Seiten befriedigt.

An diesem nördlich der Alpen schwer verständlichen, in den Schluchten des Balkan aber emotional höchst aufgeladenen Namensstreit droht diese Woche das als „Erweiterungsgipfel“ geplante Treffen in Bukarest zu scheitern. Die Griechen wollen nämlich die Gunst der Stunde nutzen und dem Namensprovisorium ein Ende machen. Das Nato-Land Griechenland ist eindeutig in der besseren Position: Es ist drin – die Mazedonier sind draußen und wollen rein. Die griechische Regierung, die zu Hause unter gewaltigem öffentlichen Druck der nationalistischen Öffentlichkeit steht, kann deshalb die Aufnahme der „Ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien“ in die Nato mit einem Veto verhindern.

Auch der in der letzten Woche von den EU-Partnern gemachte Kompromissvorschlag – „Republik Mazedonien (Skopje)“ – löst das Problem offenbar nicht. Weder die Griechen noch die Mazedonier sind einverstanden. Frank-Walter Steinmeier hat dennoch die Hoffnung noch nicht fahren lassen: „Wir werden bis zum Beginn des Nato-Gipfels alles versuchen, nach einer Lösung im Namensstreit zu suchen,“ sagte er. Gelingt dieses diplomatische Kunststück aber nicht, dann wird die Atlantische Allianz in Bukarest wohl oder übel – statt wie ursprünglich geplant, drei neue Mitgliedsländer – nur Kroatien in das Bündnis aufnehmen. Das bettelarme Albanien, so heißt es in Brüssel, ist ohnehin noch nicht fit für die Nato.

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