Politik : Mazedonien: Nato rechnet mit 400 deutschen Soldaten

Nato-Soldaten haben am Samstag in Mazedonien mit den letzten Vorbereitungen für die geplante Entwaffnung albanischer Rebellen begonnen. In der kommenden Woche sollen die Freischärler nach Angaben der Allianz damit beginnen, an 15 Sammelpunkten im Norden des Landes etwa 3000 Waffen - diese nicht bestätigte Zahl verlautete aus Diplomatenkreisen - abzugeben. Auf die genaue Zahl der Waffen, die die Rebellen abzugeben bereit sind, haben sie sich mit der Nato zwar geeinigt, sie ist aber nicht öffentlich bekannt gegeben worden. Vorausetzung für den Einsatz ist die Zusage der Rebellen, ihre Waffen freiwillig abzugeben sowie eine stabile Waffenruhe. Der Einsatz soll innerhalb von 30 Tagen abgeschlossen sein.

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Chronologie: Auslandseinsätze der Bundeswehr
Hintergrund: Die NATO-Operation "Essential Harvest"
Die Beteiligten: Welches Land wieviel Soldaten nach Mazedonien schickt In der Nacht zu Samstag kam es in der Stadt Tetovo nach Augenzeugenangaben zu zwei Explosionen. Berichte über Verletzte lagen nicht vor. In der Umgebung zweier Dörfer war Gewehrfeuer zu hören. In der überwiegend von Albanern bewohnten Region Tetovo hatte im Februar der Aufstand der Rebellen begonnen. Dort verlief auch die Hauptkampflinie zwischen ihnen und der mazedonischen Armee.

Die Nato hatte am Freitag angekündigt, 1000 Soldaten mehr als ursprünglich geplant nach Mazedonien zu schicken. Vor allem aus logistischen Gründen würden nun 4500 Soldaten entsandt, sagte ein Nato-Vertreter in Brüssel. Hunderte britische und französische Soldaten sind bereits in Mazedonien eingetroffen. Das größte Kontingent soll mit 1400 Soldaten Großbritannien stellen, gefolgt von Italien mit 800 Soldaten und Frankreich mit 550 Soldaten. Nach jüngsten Nato-Angaben soll sich die Bundeswehr mit 400 Soldaten beteiligen.

Unterdessen ging der Aufmarsch der Nato-Truppen in Mazedonien weiter. Die griechische Armee verlegte am Samstag 250 Soldaten nach Krivolak im Zentrum des Balkanstaates. Damit befänden sich insgesamt 400 griechische Soldaten in Mazedonien, sagte ein Sprecher des Generalstabs in Athen. Die Einheit sei ab Montag einsatzbereit. Griechenland führt eines von vier Bataillonen an, die die Waffen der UCK einsammeln sollen. Anschließend soll das Militärgerät in einer griechischen Stahlfabrik in Eleusis nahe Athen zerstört werden, wie der Sprecher erklärte.

Nato-Vertreter informierten am Samstag die mazedonische Regierung über die am Vortag mit den Rebellen erzielte Einigung zur Waffenabgabe. Die Einigung über die Zahl der Waffen ist Bedingung für den Beginn der Entwaffnung. Bislang wollten die Rebellen 2000 Waffen abgeben. Die mazedonische Regierung erklärte, dass die Rebellen 85 000 Waffen besäßen, was allerdings von mehreren Beobachtern als übertrieben bewertet wurde. Ein britisches Militär-Fachblatt zitiert in seiner am Samstag erschienenen Ausgabe Geheimdienstkreise, wonach die Rebellen über 9000 moderne Waffen sowie 15 000 inzwischen veraltete Gewehre verfügen.

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