Politik : Mazedonien: Nato-Soldaten sammeln wieder Waffen ein

Die Nato-Truppe in Mazedonien hat einen Tag nach dem politischen Durchbruch im Parlament das Einsammeln der Rebellenwaffen fortgesetzt. Kämpfer der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" begannen an Sammelstellen wie in der nordwestlichen Rebellenhochburg Radusa das zweite Drittel ihrer offiziell erklärten Waffenmenge abzugeben. Die Fortsetzung des Einsatzes folgte einen Tag nach der Entscheidung des Parlamentes, den Friedensplan für das Land im Grundsatz anzunehmen.

Singend aufmarschiert

Zum Thema Dokumentation: Fischers Bundestagsrede in Auszügen.
Chronologie: Auslandseinsätze der Bundeswehr
Hintergrund: Die NATO-Operation "Essential Harvest"
Die Aufgaben: Was die Bundeswehr in Mazedonien erwartet.
Die Beteiligten: Welches Land wieviel Soldaten nach Mazedonien schickt Binnen 30 Tagen will die Nato 3300 Waffen von den Rebellen einsammeln. In der ersten Phase waren 1200 Waffen abgegeben worden. Am Freitagmorgen waren die Rebellen erst nicht aufgetaucht. "Am Nachmittag sind etwa 200 Kämpfer mit Gewehren, Panzerfäusten und anderen größeren Waffen singend aufmarschiert", sagte eine Augenzeugin in Radusa. In der mazedonischen Öffentlichkeit wurde die Glaubwürdigkeit der Waffenabgabe weiter angezweifelt. Lokale Zeitungen riefen zur Demonstration vor dem Parlament auf, wo aus Protest rostige Messer und Haushaltsgeräte gesammelt werden sollen. Mazedonische Regierungsvertreter haben die Waffenabgabe als Farce bezeichnet, weil die Rebellen nur einen kleinen Teil und unbrauchbares Gerät abgäben.

Unterdessen haben die UCK-Rebellen die Freilassung ihrer mazedonischen Geiseln für abgeschlossen erklärt. Das teilte die UCK in einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung mit. Die Rebellen haben danach 15 Mazedonier aus der Geiselhaft entlassen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte aber, es würden noch 14 verschwundene Mazedonier gesucht. "Die UCK hat alle Gefangenen auf freien Fuß gesetzt, die in den Gefängnissen waren. Diese Freilassungen geschahen öffentlich. Die Gefangenen wurden an das IKRK übergeben", teilte der politische UCK-Führer Ali Ahmeti mit. Das IKRK versucht jetzt, Informationen über das Schicksal der Verschwundenen zu bekommen. "Wir haben ihre Namen an die UCK übermittelt und arbeiten mit ihr, um den Aufenthalt der Vermissten zu ermitteln", sagte eine IKRK-Mitarbeiterin.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping kam unterdessen in Skopje mit seinem Kollegen Vlado Buckowski zusammen. Scharping schlug bei dem Gespräch vor, nach dem Rückzug der Nato-Truppen solle die Rolle der EU und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Mazedonien gestärkt werden. Nach einem erfolgreichen Abschluss des Friedensprozesses müssten die wirtschaftliche Entwicklung und die finanzielle Absicherung des Landes gewährleistet werden, forderte Scharping.

Das Votum des Parlaments stieß international auf einhellige Zustimmung. Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach von einem wichtigen Schritt hin zur Stabilisierung des Landes und fügte hinzu, Deutschland und die EU würden sich weiterhin politisch und wirtschaftlich in Mazedonien engagieren. EU-Außenkommissar Chris Patten betonte in Skopje, die Entscheidung werde die Haltung der geplanten Geberkonferenz positiv beeinflussen. Nato-Generalsekretär George Robertson sprach von einer historischen Entscheidung.

60 Millionen Mark von der EU

Die EU hat bislang 60 Millionen Mark zugesichert, um die Schäden der Kämpfe zu beheben. Ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 100 Millionen Mark wird derzeit erwogen. Der mazedonische Sicherheitsrat beriet am Donnerstagabend Pläne, die Kontrolle über die von den Rebellen besetzten Gebiete wieder zu erlangen. Anschließend hieß es in einer Erklärung, die Streitkräfte würden gemeinsam mit internationalen Beobachtern in die Territorien zurückkehren. "Wir sind davon überzeugt, dass der Erfolg der Nato-Mission die Bedingungen für die Rückkehr der Sicherheitskräfte in die Krisengebiete schafft", hieß es weiter.

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