Politik : Mazedonien: Ohne Waffen gegen Waffen

Thomas Gack

Das Wort "Srebrenica" erscheint wenige Stunden vor dem Start der Operation "Essential Harvest" wie eine Flammenschrift an der Wand. Der Begriff, der für die dunkelsten Stunden der UN-Politik in Bosnien steht, wird zum Albtraum der Nato-Soldaten: Blutigen Gewalttaten und Verbrechen zuschauen zu müssen - und nichts dagegen tun zu können, weil ein eng begrenztes Mandat die Hände fesselt. Das niederländische Kontingent der UN-Truppen hat das damals in der "UN-Schutzzone Srebrenica" in Bosnien erlebt und auf traumatische Weise erlitten.

Zum Thema Online-Umfrage: Soll sich die Bundeswehr am Mazedonien-Einsatz der Nato beteiligen?
Chronologie: Auslandseinsätze der Bundeswehr "Wir wissen sehr wohl, dass wir uns in eine risikoreiche Situation begeben", sagt ein deutscher Offizier im militärischen Hauptquartier der Nato im belgischen Mons. Das werde ein sehr schwieriger Einsatz, sagt er. Auch wenn alles friedlich bleibe und die albanischen Rebellen ihre Waffen wie versprochen freiwillig abliefern. Die 3 500 Mann der bunt zusammengewürfelten Nato-Truppe sind für diese Aufgabe nicht ausreichend vorbereitet. Sie sind noch nicht aufeinander eingespielt, hatten keine Zeit, die Aufgaben einzuüben und müssen zuerst als Truppe zusammenfinden.

Doch das macht den Nato-Offizieren weniger Kopfzerbrechen. Bei einem Bündnis aus 19 Staaten gehören diese Anpassungs- und Einübungsprozesse zum Alltag. Sorge machen den Planern im Hauptquartier wie den Offizieren, die in Mazedonien die Truppe führen, die Unwägbarkeiten der politisch-militärischen Situation in Mazedonien - und vor allem das enge Mandat für den Einsatz. Es reicht zwar aus, wenn alles gut geht, wenn alle sich an die Vereinbarungen halten und ihre Versprechungen wahr machen. Doch was tun, wenn der Konflikt zwischen den albanischen Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) und der mazedonischen Armee wieder aufflackert, wenn vor den Augen der Nato-Truppen Verbrechen an der Bevölkerung begangen werden?

"Wir wären dazu verdammt zuzusehen", meint resigniert ein Nato-Offizier. Und ein Diplomat in Brüssel sagt: "Wir gehen nicht nach Mazedonien, um die Konfliktparteien militärisch im Zaum zu halten. Das wäre vom Mandat der Nato nicht gedeckt."

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