Politik : Mazedonien: Rückzug der Armee abgelehnt

Mazedonische Regierungstruppen und albanische Rebellen haben sich einen Tag vor dem Treffen der EU-Außenminister erbitterte Gefechte um den Ort Aracinovo am Rande der Hauptstadt Skopje geliefert. Armee und Polizei erklärten am Sonntag, den von der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) besetzten Ort mit Panzern und Kampfhubschraubern zu einem Drittel eingenommen zu haben. Fünf Mitglieder mazedonischer Spezialeinheiten wurden dabei getötet. Die mazedonische Führung wies Kritik von EU und Nato an der Offensive zurück.

Nach einem Treffen der Staatsführung mit Sicherheitsexperten sagte Ministerpräsident Ljubco Georgievski, die Angriffe würden weitergehen "bis alle Seiten bereit sind, ihre Rolle zu übernehmen". Dabei bezog er sich offensichtlich auf die geforderte Entwaffnung der Albaner-Rebellen und das Einsammeln der Waffen durch die Nato. Georgievski sagte: "Wir sind für den politischen Dialog, aber jetzt müssen wir handeln."

Unter dem Eindruck der eskalierenden Gewalt in Mazedonien wollen die EU-Außenminister am heutigen Montag in Luxemburg Politiker aus Mazedonien treffen. Es war vereinbart, dass Georgievski ein Reformpaket vorlegt, das allen ethnischen Gruppen in dem Land gleiche Rechte zusichert. Die Parteien konnten sich aber nicht auf dieses Programm einigen. Die EU-Außenminister wollen auch einen ständigen EU-Vertreter in Skopje ernennen. Aller Voraussicht nach wird der frühere französische Verteidigungsminister Francois Leotard den Posten übernehmen.

Am Samstagabend war der EU-Beauftragte für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, mit Präsident Boris Trajkovski, Ministerpräsident Georgievski und den Führern der verschiedenen Parteien zusammengekommen. Solana sprach von "produktiven Gesprächen". Die heftigen Kämpfe gingen aber weiter.

"Spezialkräfte haben Aracinovo betreten. Die Terroristen versuchen, sich umzugruppieren und abzuziehen", sagte ein Armeesprecher. Die Armee setzte am Wochenende erstmals auch ihre neuerworbenen Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi-25 ein, um Stellungen der Freischärler aufzuklären. Die Flugzeuge, die vier Tonnen Waffenlast tragen können, griffen aber selbst nicht in die Kämpfe ein. Die Ortschaft ist seit zwei Wochen von Rebellen besetzt.

Die Regierungstruppen haben Aracinovo von mehrere Richtungen umstellt. Am Sonntag stand dichter Rauch über dem Kampfgebiet, Häuser brannten. Die Ortschaft liegt neben einer Autobahn, die Skopje mit dem Flughafen verbindet.

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