Politik : "Mazedonien sieht sich als Opfer"

KLAUS J.SCHWEHN

Zur Koordinierung der humanitären Hilfe für die Flüchtlinge aus dem Kosovo befindet sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Walter Kolbow (SPD), derzeit in Skopje.Mit dem Staatssekretär sprach Klaus J.Schwehn.

TAGESSPIEGEL: Sie haben eine schwere Mission.Wie sieht sie aus?

KOLBOW: Ich bin seit Dienstag hier in Skopje und koordiniere unseren deutschen humanitären Hilfe-Anteil.Die Deutschen waren die ersten, die bei Skopje ein Flüchtlingslager aufgebaut haben; außerdem haben wir am Donnerstag als erste Flüchtlinge ausgeflogen.Zugleich sind wir in engem bilateralen Kontakt mit der mazedonischen Regierung, um zu helfen.

TAGESSPIEGEL: Wie gestaltet sich denn die Zusammenarbeit mit der Regierung?

KOLBOW: In den Gesprächen wird eine Position dargestellt, die Mazedonien in einer Opferrolle sieht, ausgelöst durch die NATO-Angriffe.Die Regierung kritisiert, daß man die Flüchtlingswelle, die dadurch ausgelöst worden ist, hätte voraussehen und vorbeugende Maßnahmen hätte ergreifen müssen.Die Mazedonier sind in einer schwierigen wirtschaftspolitischen Situation.Sie haben enorme Verluste, beispielsweise durch den Ausfall Jugoslawiens als Markt.Heute ist mir dargelegt worden, daß zum Beispiel der wichtige Frühgemüsemarkt, der zu 95 Prozent auf Jugoslawien orientiert war, nun wegfällt.Mazedonien kommt wirtschaftlich enorm ins Schleudern.Der Gesamtschaden wird auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.

TAGESSPIEGEL: Das ist viel für das Land ...

KOLBOW: Ja, das muß man verstehen.Was wir nicht verstehen, ist - und darauf werden wir sehr klar reagieren -, daß man hier eine proserbische Stimmung entstehen läßt und daß man zweitens die Flüchtlinge nicht so behandelt, wie sie behandelt werden müssen.Da gibt es Schwierigkeiten; das haben wir erkannt und das spreche ich auch klar in jedem Gespräch an.Ich denke, wir haben auch Wirkung erzielt.Wir werden diese Entwicklungen verfolgen und überprüfen.Wir bringen das auch in Verbindung mit unseren Hilfeleistungen.Die Flüchtlingsfrage wirkt destabilisierend, aber das darf nicht dazu führen, daß es auch in Mazedonien zu einem ethnischen Auseinanderdriften kommt.

TAGESSPIEGEL: Wie viele Flüchtlinge können Sie denn nunmehr betreuen?

KOLBOW: In den Lagern in Mazedonien selbst sind etwa 34 500.Eine Erweiterung der Lagerkapazitäten ist dringend erforderlich.

TAGESSPIEGEL: Wie sieht es an den Grenzen aus?

KOLBOW: Im Moment haben die Serben die Grenzen dicht gemacht und auch Flüchtlinge zurückgetrieben.

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