Politik : Mazedonien: Wenig Hoffnung auf Frieden

Vor der für Montag geplanten Unterzeichnung des Friedensabkommens spitzt sich die Lage in Mazedonien zu. Mazedonische Truppen begannen am Samstagabend eine groß angelegte Offensive gegen albanische Rebellen. Armee und Polizei griffen Stellungen der Rebellen im nordwestlichen Raum zwischen den Städten Gostivar und Tetovo sowie im nördlichen Grenzgebiet zum Kosovo an. Westliche Beobachter erklärten, die Einsätze würden aus der Luft mit Kampfhubschraubern und Flugzeugen unterstützt. Die seit Wochen heftigsten Angriffe richteten sich gegen die Gebiete, die unter Kontrolle der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) sind. Anders als bei früheren Offensiven gab es zunächst keine Erklärungen der Führungsstäbe von Polizei und Armee. Das mazedonische Fernsehen berichtete am Abend aber, es seien etwa 1000 Rebellenkämpfer von der Kosovo-Ortschaft Krivenik aus nach Mazedonien eingedrungen. Es gebe bei Radusa heftige Kämpfe.

Die Rebellen der UCK erklärten, die Angriffe hätten am Mittag begonnen, und sprachen von heftigen Gefechten. Ein Rebellenkommandant mit dem Decknamen "Iliri" sagte: "Das ist der Krieg." Er beschuldigte die Regierungstruppen, bei den heftigen Angriffen auch zivile Ziele zu treffen.

Am Freitagabend hatten Hunderte Mazedonier in Skopje gegen den Westen demonstriert, weil dieser Partei für die albanischen Rebellen genommen habe. Sicherheitskräfte konnten die Erstürmung der US-Botschaft verhindern. Angesichts der wachsenden Spannungen warnte die US-Regierung die Amerikaner vor Reisen in das Land. Das Außenministerium wies zugleich einen Teil des Botschaftspersonals und die Angehörigen von Mitarbeitern der Botschaft an, Mazedonien zu verlassen.

Einen Tag nach den Minenexplosionen im Norden des Landes erlag am Samstag ein weiterer Soldat seinen Verletzungen. Die sieben anderen Opfer wurden am Samstag beigesetzt. Die Regierung rief einen offiziellen Trauertag aus. Staatspräsident Boris Trajkovski berief eine Sitzung des Sicherheitsrates ein, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Seit der vorläufigen Unterzeichnung des Friedensvertrags am vergangenen Mittwoch wurden mindestens 19 Soldaten von albanischen Rebellen getötet.

Die anhaltende Gewalt gefährdet zunehmend die für Montag geplante Unterzeichnung des Friedensabkommens. Regierungssprecher Antonio Milososki sagte, selbst bei einer Unterzeichnung gebe es wenig Hoffnung auf Frieden. "Wir haben dann auf dem Papier Frieden und auf dem Schlachtfeld Krieg."

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