Politik : MAZEDONIEN

Enver Robelli

Gute Nachrichten kommen selten vom Balkan. Vielleicht ist das ein Grund, dass den westeuropäischen Medien eine Meldung aus Mazedonien seit Monaten keine Zeile Wert ist. Dort entsteht zurzeit das größte kabellose Netz der Welt (WLAN). Noch in diesem Jahr sollen die Einwohner drahtlos surfen und telefonieren können. Die 460 Schulen des Landes sind bereits ans Netz angeschlossen. Mazedonien, zwei Millionen Einwohner, blickt in die Zukunft.

Vor fünf Jahren stand Mazedonien am Rande des Abgrunds, als albanische Extremisten zu den Waffen griffen, eine „Befreiungsarmee“ gründeten und dem Staat den Krieg erklärten. Die Forderung der Rebellen: Mehr Rechte für die albanische Minderheit, die ein Viertel der Bevölkerung Mazedoniens stellt. Die EU hatte die Lehren aus den blutigen Konflikten auf dem Balkan gezogen, sie zeigte schnell Präsenz in Skopje und stoppte den drohenden Wahnsinn.

Hoffnungsvoll wartet die Bevölkerung auf die Segnungen der EU. Brüssel hat die mühsam errungenen Erfolge belohnt: Seit Dezember 2005 besitzt Mazedonien den Kandidatenstatus. Bis zum EU-Beitritt ist es aber ein langer Weg. Wie überall auf dem Balkan beklagen sich auch in Mazedonien die Bürger über korrupte Politiker und gefährliche Mafiosi, käufliche Richter und räuberische Geschäftsleute. Am 5. Juli finden Parlamentswahlen statt. Im laufenden Wahlkampf sind bislang kaum nationalistische Parolen zu hören.

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