Politik : Mazedoniens Albaner wählen Trajkovski zum neuen Präsidenten

Stephan Israel

Ex-Außenminister überholt den Favoriten im zweiten WahlgangStephan Israel

Der "Vater der Nation" wird über seinen Nachfolger nicht glücklich sein: Der scheidende Präsident Kiro Gligorov hatte Tito Petkovski favorisiert, den Kandidaten der postkommunistischen Sozialdemokraten (SDSM). Der ehemalige Partisanenkämpfer, der Mazedonien ohne Blutvergießen in die Unabhängigkeit geführt hat, kommt selber aus diesem politischen Lager. Doch in der zweiten Runde machte Boris Trajkovski, der Kandidat der rechtsnationalen Regierung, mit 77 000 Stimmen Vorsprung überraschend deutlich das Rennen. Der 43-jährige Trajkovski, früher methodistischer Priester, amtierte bisher als farbloser Vizeaußenminister. Einzig im Frühjahr, als infolge der Kosovo-Krise 300 000 Kosovo-Albaner nach Mazedonien flohen, stand er kurze Zeit im Rampenlicht. Damals beschuldigte er das westliche Ausland, das kleine Mazedonien mit dem Flüchtlingselend alleine zu lassen.

In der zweiten Wahlrunde vom Sonntag hat Boris Trajkovski das Rennen nur dank der Stimmen der albanischen Minderheit im Lande gemacht. Knapp ein Drittel der Bevölkerung Mazedoniens sind Albaner. Die Kandidaten der albanischen Parteien waren schon vor zwei Wochen aus dem Rennen geschieden. Das gespannte Verhältnis zwischen den Volksgruppen war das dominierende Thema zwischen den beiden Wahlgängen. Tito Petkovski, der Kandidat der postkommunistischen Sozialdemokraten, setzte alles auf die nationalistische Karte und scheiterte: Er werde in keinem Fall ein unabhängiges Kosovo unterstützen, erklärte der 54-jährige Apparatschik.

Petkovski warb um die Stimmen der slawischen Mazedonier, die in einem unabhängigen Kosovo eine Bedrohung für Stabilität und Integrität ihres Kleinstaates sehen. Er versprach auch, sich den Forderungen der mazedonischen Albaner gegenüber unnachgiebig zu zeigen. Die starke Minderheit, die in einem kompakten Gebiet entlang des "Mutterlandes" Albanien lebt, verlangt Gleichberechtigung und will als ebenbürtige Nation anerkannt werden. Für die Mehrheit der slawischen Mazedonien wäre das der erste Schritt Richtung "Kosovarisierung" beziehungsweise die Weichenstellung für eine Sezession der albanisch besiedelten Gebiete im Westen des Landes. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bestätigte Unregelmäßigkeiten. In einzelnen Wahlbezirken im albanischen Westen sollen mehr Wähler gewählt haben, als registriert waren.

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