Politik : McCain setzt auf den Hillary-Faktor

Sarah Palin ist Alaskas erste Gouverneurin – jetzt soll die Konservative für die Republikaner erste Vizepräsidentin Amerikas werden

Dem republikanischen Kandidaten für das US-Präsidentenamt John McCain ist mit der Ernennung von Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, zu seiner Vizekandidatin ein Überraschungscoup gelungen. Ihr Name stand nicht auf der Liste der Favoriten, die seit Tagen die Runde machte. McCain präsentierte Palin am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Ohio. Die 44-Jährige warb sofort offen um die 18 Millionen Wählerinnen und Wähler, die die Demokratin Hillary Clinton in den Vorwahlen unterstützt hatten. weil sie eine Frau im Weißen Haus sehen wollen. Hillary habe ihre Kampagne „mit bewundernswerter Entschlossenheit und großer Würde geführt“, lobte Palin.

Kommentatoren sind geteilter Meinung, ob dieses Kalkül aufgehen kann. Einen Tag nach dem Ende des Nominierungsparteitags der Demokraten in Denver stach der Kulturunterschied zwischen beiden Lagern besonders ins Auge. Palin pries Amerikas Militär und hob hervor, als Gouverneurin sei sie Oberbefehlshaberin der Nationalgarde von Alaska. Sie brachte fast ihre ganze Familie mit, nur der älteste Sohn Track fehlte. Er war am 11. September 2007, dem sechsten Jahrestag des Terroranschlags auf New York, zur Armee gegangen und tritt in wenigen Tagen seinen Dienst im Irak an. Sie habe sich nach keinem politischen Amt gedrängt und die Kandidatur als Vizepräsidentin komme für sie überraschend, betonte Palin, als sie vor einem Poster „Country First“ ihren Mann Todd aus dem Eskimostamm der Yukip vorstellte. Der sei ein Fischer; auch sie selbst habe die meiste Zeit von ihrer Hände Arbeit gelebt; ihre Eltern seien einfache Volksschullehrer. Dass Ehemann Todd den Großteil des Jahres für den Erdölkonzern BP arbeitet, erwähnte sie nicht. Die Älteste der drei Töchter – Bristol (17), Willow (13) und Piper (7) – hielt derweil den jüngsten Sohn Trig auf dem Arm. Er war im April mit Down Syndrom auf die Welt gekommen. Palin wusste durch pränatale Untersuchungen von der Behinderung, ist aber überzeugte Abtreibungsgegnerin. „Er ist wunderschön“, sagte sie, und sie mache sich seither „vermehrt Gedanken, was in unserer Welt als normal und was als nicht normal gilt“.

Palin hat sich einen Namen als unnachsichtige Bekämpferin von Korruption gemacht. Ihre eigene Republikanische Partei in Alaska ist besonders betroffen. Senator Ted Stevens ist der Vorteilsnahme angeklagt. Gouverneurin war Palin erst vor zwei Jahren geworden, nachdem sie Vorgänger Frank Murkowsky durch Aufdeckung fragwürdiger Verbindungen mit Ölfirmen zu Fall gebracht hatte.

Im Kampf gegen Verschwendung, Korruption und „Good old boys“-Seilschaften könne man auf sie zählen, versprach sie jubelnden Parteianhängern in Ohio. Dieses Image und ihre Jugend gelten als Vorteile für McCain. Ihre eher kurze politische Erfahrung erschweren es ihm aber, den Demokraten Barack Obama als zu jung und unerfahren anzugreifen.

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