Mecklenburg-Vorpommern : CDU schließt ehemaligen Rechtsaktivisten aus Partei aus

06.09.2011 10:27 Uhr

Die Christdemokraten werfen ihren Landtags-Direktkandidaten aus Angela Merkels Bundestags-Wahlkreis wegen seiner rechten Vergangenheit aus der Partei.

Die CDU auf der Insel Rügen hat zwei Wochen vor der Nachwahl im dortigen Wahlkreis 33 ihren Spitzenkandidaten Thomas Gens aus der Partei geworfen. Der Grund sind Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen den 41-Jährigen. Er soll früher Mitglied und Funktionär in der DVU gewesen sein. Der Kreisvorstand habe am Montag die Aufnahme mit sofortiger Wirkung widerrufen, sagte der CDU-Kreisvorsitzende Burkhard Lenz der Nachrichtenagentur dpa. „Wir distanzieren uns von ihm und fühlen uns hintergangen.“ Gens bestreitet, aktiv für die DVU tätig gewesen zu sein. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern war am Sonntag im Wahlkreis 33 nicht mitgewählt worden, weil der CDU-Direktkandidat Udo Timm gestorben war.

Dort soll nun am 18. September gewählt werden.

Der CDU-Kreisvorsitzende Lenz sagte, Gens habe erhebliche Fakten wie die frühere Mitgliedschaft in der rechtsextremen DVU bei seiner Aufnahme verschwiegen. So gebe es eine Internetseite, auf der er als Kreisvorsitzender geführt werde. „Er hat der Partei einen großen Schaden zugefügt.“ Gens, ein gelernter Fischer, arbeitet seit rund einem Jahr als ehrenamtlicher Bürgermeister von Hiddensee. Die Insel gehört zu Angela Merkels Bundestags-Wahlkreis. Gens war am 27. August nach dem Tod Timms als CDU-Direktkandidat nachnominiert worden. Wie Lenz weiter sagte, wurde die CDU erst am 2. September durch einen NDR-Bericht mit der rechtsextremen Vergangenheit ihres Kandidaten konfrontiert.

Die CDU tritt bei der Nachwahl im Wahlkreis 33 damit nicht mehr mit einem Direktkandidaten an. Gens hat erklärt, weiter für den Landtag kandidieren zu wollen. Er war am Montag nicht zu erreichen. „Er ist als Wahlvorschlag zugelassen und steht zur Wahl“, sagte Kreiswahlleiterin Gisela Oberland. Weder die CDU noch Gens könnten jetzt den Wahlvorschlag zurückziehen. Bei der Wahl am 18. September treten sieben Direktkandidaten an, darunter auch der landesweite FDP-Spitzenkandidat Gino Leonhard. Obwohl seine Partei am Sonntag klar an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, könnte er ins Landesparlament einziehen, wenn er das Direktmandat erringt, erläuterte Kreiswahlleiterin Oberland.

SPD und Grüne kritisierten derweil die Bundeskanzlerin für ihr Verhalten. Merkel hätte ein ureigenes Interesse an dem Fall haben und aktiver werden müssen, sagte SPD-Innenexperte Sebastian Edathy der „Schweriner Volkszeitung“ am Dienstag. Er warf der CDU-Bundesvorsitzenden vor, sich bislang nicht zu dem Fall geäußert zu haben. „Ihr Schweigen ist deplatziert. Man muss von Demokraten erwarten, dass sie sich ganz klar von solchen Rechtsextremisten distanzieren“, sagte Edathy. Kritik kam auch von den Grünen: „Wenn vorher bekannt war, dass er einen solchen Hintergrund hat, ist nicht zu erklären, wie er Kandidat geworden ist“, sagte Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Blatt. Nach Informationen der „Schweriner Volkszeitung“ hatte Merkel im September 2010 Gens als Bürgermeisterkandidaten im Kommunalwahlkampf auf Hiddensee persönlich unterstützt. (dpa)


Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite