Mecklenburg-Vorpommern : Kampf um die Juniorpartnerschaft

In Mecklenburg-Vorpommern würden sowohl CDU als auch Linke gerne mit der SPD regieren. Beide haben in Mecklenburg-Vorpommern mit der SPD regiert.

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Silber, Gold, Bronze? Die Spitzenkandidaten für die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern (v.l.): Lorenz Caffier (CDU), Erwin Sellering (SPD), Helmut Holter (Linke).
Silber, Gold, Bronze? Die Spitzenkandidaten für die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern (v.l.): Lorenz Caffier (CDU), Erwin Sellering...Foto: dpa

Und beide Parteien buhlen für die Zeit nach der Wahl am 4. September erneut um die Gunst der Sozialdemokraten. Darum fahren die Spitzenkandidaten Lorenz Caffier (CDU) und Helmut Holter (Linkspartei) bislang einen Kuschelkurs, mit dem sie ihre Parteien nur schwer profilieren können.

„C wie Zukunft“ plakatierte die Union zu Beginn des Wahlkampfs und erntete bundesweit Häme. Caffier glaubt gleichwohl, seinen Bekanntheitsgrad deutlich gesteigert zu haben. Der lag weit hinter dem von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Seit fünf Jahren sitzt der 56-jährige Caffier als Innenminister in dessen Kabinett. Beide versichern, gut und vertrauensvoll miteinander regiert zu haben. Da fällt es schwer, im Wahlkampf auf dem Partner herumzuhacken.

Caffier lebt seit 1971 in Mecklenburg, aber man hört ihm noch an, dass er in Sachsen geboren wurde. Der Sohn eines Pastors studierte Forstwirtschaft und leitete eine LPG. Er war stilles Mitglied in der DDR-CDU und bekennt: „Ich war sicher kein Widerstandskämpfer.“ Erst in der Wendezeit wurde er politisch aktiv und zum Mitglied der letzten Volkskammer der DDR gewählt. Er habe damals ein Schornsteinfegergesetz eingebracht, erinnert sich Caffier. 1990 kandidierte er für den Schweriner Landtag. Sechzehn Jahre lang zog Caffier als Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion im Hintergrund organisatorisch die Strippen, bevor er 2006 Innenminister wurde. Er hat die so umfassende wie ungeliebte Verwaltungsreform zu verantworten, die am Tag nach der Landtagswahl mit der Einteilung neuer riesiger Landkreise umgesetzt werden soll. Sicherheitsprobleme und Polizeiskandale blieben in seiner Amtszeit bislang aus. Caffier macht sich zudem als entschiedener Gegner der NPD einen Namen, die mit sechs Abgeordneten im Landtag vertreten ist. Als einer der Ersten in der CDU forderte er ein neues Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme Partei.

Caffier gibt sich optimistisch und hofft auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU. Bei den Umfragen lag die SPD seit Jahresbeginn stets rund fünf Prozentpunkte vor der CDU. Sollte die Union am 4. September dennoch als Siegerin durchs Ziel gehen, würde es Caffier nicht viel nützen, weil die SPD nicht als Juniorpartner zu bekommen ist, solange sie mit der Linkspartei den Regierungschefsessel behält.

Auf diesen Posten erhob vor gut einem Jahr auch Linkspartei-Spitzenkandidat Holter noch Anspruch. Angespornt von guten Umfrageergebnissen wollte der einzige geborene Mecklenburger unter den drei Spitzenkandidaten zum Chef einer rot-roten Regierung aufsteigen. Inzwischen wäre er zufrieden, wenn das Wahlergebnis reicht, um mit der SPD ernsthaft über eine Neuauflage der rot-roten Koalition verhandeln zu können.

Von 1998 bis 2006 war Holter Arbeitsminister in Schwerin. Seitdem gilt der stets gut gekleidete und frisierte 58-jährige Betonbauingenieur als führender „Realo“ in seiner Partei, der manchmal von den Sozialdemokraten kaum zu unterscheiden ist. Dabei hat das langjährige SED-Mitglied einst in Moskau studiert. Dort lernte er auch seine Frau kennen, die inzwischen in Schwerin ein Modegeschäft betreibt.

Auch 2006 wäre mit sehr knapper Mehrheit eine rot-rote Koalition in Schwerin möglich gewesen. Die SPD jedoch zog die CDU vor, auch weil für ihren Geschmack in den Reihen der Linksfraktion zu viele „unsichere“ Kandidaten, also prinzipielle Gegner einer Regierungsbeteiligung, saßen. Dieses Risiko hat Holter nun mithilfe der Parteitagsmehrheit minimiert. Auf der Landesliste finden sich kaum noch Fundamentalisten. Aktuell sorgen sie gleichwohl parteiintern für Ärger. In einem Thesenpapier rechtfertigten Mitglieder der „Antikapitalistischen Linken“ den Bau der Berliner Mauer als „alternativlos“ für die damalige DDR-Führung. Holter kann so etwas nicht nachvollziehen. In seiner Kritik an der DDR ist er sogar in einigen Punkten klarer als Ministerpräsident Sellering, der für Furore sorgte, als er die DDR nicht als Unrechtsstaat charakterisieren wollte, in dem es überhaupt nichts Gutes gab.

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