Mecklenburg-Vorpommern : Kuschelwahlkampf an der Küste

Im Herbst wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt – dort könnte es erstmals für Rot-Grün reichen. Regierungschef Sellering führt deutlich vor seinen Herausforderern Caffier (CDU) und Holter (Linkspartei).

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Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).
Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).Foto: Reuters

Am Sonnabend will sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering zum Spitzenkandidaten der SPD für die Landtagswahl Anfang September küren lassen. Die SPD liegt in allen Umfragen klar vor den Christdemokraten und kann sich voraussichtlich die CDU oder die Linkspartei als Koalitionspartner aussuchen. Mit etwas Glück reicht es sogar für ein rot-grünes Bündnis. Dabei haben sich Sellering und sein derzeitiger Stellvertreter Jürgen Seidel (CDU) gerade einen kurzen Kuschelwahlkampf in die Hand versprochen. Als sie ihre Koalition bilanzierten, sparten sie nicht mit gegenseitigem Lob. „Wir haben gut regiert“, sagte Sellering. „Kooperativ und unaufgeregt“, fügte Seidel hinzu.

Stolz sind sie auf die gesunkene Arbeitslosenquote, zusätzliche feste Jobs und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Gegensatz zur rot-roten Vorgängerregierung schafften sie es, eine umstrittene Kreisgebietsreform auf den Weg zu bringen. Außerdem macht das arme Land keine neuen Schulden mehr, sondern tilgt die alten. Außerdem wird Sellering nicht müde, den laut Meinungsumfragen gewachsenen Stolz der Mecklenburger und Vorpommern auf ihr Land herauszustreichen. Entsprechend betreibt er seinen Wahlkampf.

Fast alles und fast jeder ist gut oder kann lediglich gegebenenfalls noch „ein Stück besser werden“. Entsprechend führt der Regierungschef deutlich vor seinen Herausforderern Lorenz Caffier (CDU) und Helmut Holter (Linkspartei). Trotz der wechselseitigen Wertschätzung kann sich die CDU nicht sicher sein, an der nächsten Koalition beteiligt zu werden. Insbesondere falls sie die SPD noch überholt, wird Sellering die Linkspartei ins Boot holen, um seinen Regierungschefsessel zu retten. Holter träumt unterdessen noch davon, erster Ministerpräsident einer rot-roten Landesregierung zu werden. Zurzeit spricht jedoch nichts dafür, dass die Sozialisten vor der SPD ins Ziel kommen und gleichzeitig eine rot-schwarze Koalition nicht möglich ist.

Holter weiß nicht so recht, mit welchem Thema er sich profilieren soll. Die Wahlprogramme von SPD und Linkspartei sind sich äußerst ähnlich. Auf jeden Fall hat sich die sozialistische Braut für die SPD hübsch gemacht. Fast alle Fundamentalisten wurden auf der Landesliste nach hinten gewählt. Die regierungswilligen Linken dominieren.

Auf der Anti-Atom-Welle wollen die Grünen erstmals in den Schweriner Landtag einziehen. Mit acht bis zehn Prozent rechnet Landessprecher Jürgen Suhr, der sich bislang auf die Opposition freut. Sollten die Grünen ein deutlich besseres Ergebnis einfahren, wäre rechnerisch auch eine Regierungsbeteiligung möglich. Das könnte, so mutmaßen Beobachter, potenzielle Grünen-Wähler in Berlin zusätzlich motivieren, wo zwei Wochen später gewählt wird.

Sorgen um den Wiedereinzug ins Parlament muss sich die FDP machen. Als herrsche auf der Bundesebene noch nicht genug Streit, hat sie vor kurzem ihrem designierten Spitzenkandidaten, Fraktionschef Michael Roolf, die Gefolgschaft verweigert und stattdessen den Landtagsabgeordneten Gino Leonhard auf Listenplatz eins gewählt. Roolf schlägt inzwischen zurück und forderte den Rücktritt von Landesparteichef Ahrendt. Ob die NPD erneut die Fünf-Prozent-Hürde nimmt, ist unterdessen ungewiss.

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