Medienberichte : Blair neuer Nahost-Beauftragter

Tony Blair ist nach Angaben von CNN neuer Sonderbeauftragter des so genannten Nahost-Quartetts. Israel begrüßte die Wahl bereits.

Washington/JerusalemDer an diesem Mittwoch aus dem Amt scheidende britische Premierminister Tony Blair wird nach Medienberichten neuer Sonderbeauftragter des so genannten Nahost-Quartetts. Eine offizielle Erklärung sei für Mittwoch geplant, meldete der US-Sender CNN unter Berufung auf Diplomaten des US-Außenministeriums und des Nahost-Quartetts, dem neben den USA auch EU, Vereinte Nationen und Russland angehören. Führende Palästinenser stimmen demnach dem von Washington ausgehenden Vorschlag ebenso zu wie Israel.

Der israelische Regierungschef Ehud Olmert sicherte Blair in einem Telefonat am Agabend vollständige Zusammenarbeit zu, sollte er das Amt des Sonderbeauftragten annehmen. Der Brite sei "ein wahrer Freund Israels", hieß es in einer Mitteilung des Büros Olmerts.

Israel listet palästinensische Gefangene auf, die freigelassen werden sollen

Israel begann unterdessen mit der Umsetzung seiner am Montag beim Nahost-Gipfel von Scharm el Scheich gegebenen Zusagen. Zunächst wurde die Aufstellung einer Liste von 250 palästinensischen Häftlingen in Angriff genommen, deren Freilassung Olmert Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Fatah) versprochen hat.

Am Abend ließ sich der russische Außenminister Sergej Lawrow von seiner israelischen Amtskollegin Zipi Livni über die Ergebnisse des Gipfels informieren. Das Treffen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich, an dem auch Präsident Husni Mubarak und der jordanische König Abdullah II. teilgenommen hatten, diente dazu, Abbas gegenüber der im Gazastreifen siegreichen radikal-islamischen Hamas demonstrativ den Rücken zu stärken.

Putin steht Ernennung Blairs offenbar aufgeschlossen gegenüber

In Jerusalem tagte das Nahost-Quartett auf Botschafter- und Gesandtenebene. Nach britischen Medien stand dabei die Berufung Blairs zum Nahost-Sondergesandten im Mittelpunkt. Blair soll danach den palästinensischen Behörden beim Aufbau von politischen und wirtschaftlichen Institutionen für einen lebensfähigen Staat helfen. Ein ähnliches Amt hatte bis April 2006 der frühere Präsident der Weltbank, James Wolfensohn, inne. Dieser hatte sein Amt wegen der schwierigen Lage im Nahen Osten nach dem Wahlsieg der Hamas vor mehr als einem Jahr niedergelegt.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat Zustimmung zur der bevorstehenden Ernennung Blairs signalisiert. Putin hoffe, dass Blair seine reichen Erfahrungen in der Regierung und Außenpolitik nun in der internationalen Arena anwenden werde, zitierte ihn die Agentur Interfax am Dienstag in Moskau. Putin und Blair hätten auf britische Initiative telefonisch über die Beziehungen ihrer beiden Länder gesprochen. In Moskau gilt die Mission Blairs wegen der führenden britischen Beteiligung am Irakkrieg als heikel.

Über die Freilassung der palästinensischen Häftlinge soll das Kabinett Olmerts am Sonntag entscheiden. Bei den Häftlingen handelt es sich nach Angaben des israelischen Rundfunks vor allem um Mitglieder der Fatah und nicht der radikalen Gruppierungen Hamas und Islamischer Dschihad, aber auch um einfache Kriminelle. (mit dpa)

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