Medizinertagung : Ärzte warnen vor Einschnitten bei Versorgung

Die deutschen Ärzte mobilisieren weiter gegen die Kostensenkungspolitik im Gesundheitswesen. Auf dem Ärztetag, der heute in Mainz beginnt, wollen sie diskutieren, wie unter den gegenwärtigen Bedingungen adäquate Behandlungen möglich sind.

MainzDen Auftakt macht der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe. Wie in den Jahren zuvor will er illustrieren, wie medizinische Versorgung wegen knapper Kassen bereits rationiert werde. Die von den Ärzten beklagte "Kostendämpfungspolitik" wird auch in den kommenden Tagen zentrales Thema der bis Freitag andauernden Hauptversammlung sein. Die Mediziner wollen dabei Forderungen an die Politik gegen die beklagten Trends beschließen.

Hoppe hatte bereits in der letzten Woche eine sogenannte Prioritätenliste gefordert, in der die medizinische Versorgung nach Nützlichkeit gestaffelt werden soll. Schwere und akute Beschwerden besäßen demnach Vorrang gegenüber weniger notwendigen Behandlungen oder "Wunschleistungen".

Krankenkassen werfen Ärzten Versäumnisse vor

Bei Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), die wegen einer internationalen Konferenz zur Amerikagrippe erstmals nicht am Ärztetag teilnimmt, war Hoppe mit seinem Vorschlag auf Ablehnung gestoßen. "Es wird keinen Prioritätenkatalog für Krankheitsbehandlungen geben", sagte sie in einem Interview.

Unterstützung erhielt Schmidt vom Chef der KKH-Allianz, Ingo Kailuweit. "Die Debatte um Priorisierung ist absurd", sagte er. Vielmehr müssten auch die Ärzte sich Reformen stellen und Versäumnisse aufholen. "Die Qualität in der ärztlichen Versorgung reicht nicht aus", sagte Kailuweit. "Wir haben viel Fehldiagnostik, unberechtigte stationäre Behandlungen, nicht ausreichende Qualität." (rf/dpa)

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