Politik : Mehr als 1000 Serben sollen desertiert sein

WASHINGTON/LONDON/BERLIN (AFP/rtr).Mehr als 1000 Soldaten der jugoslawischen Armee sind möglicherweise desertiert.Nach Angaben von in Berlin lebenden Serben kehrten die Männer zu ihren Familien nach Krusevac und Aleksandrovac zurück.In Krusevac hatten in den vergangenen Tagen Hunderte Angehörige jugoslawischer Soldaten gegen den Krieg im Kosovo demonstriert.Das US-Verteidigungsministerium sprach von bis zu 1000 Soldaten, die ihrer Einheit den Rücken gekehrt hätten.Dies meldete auch die montenegrinische Zeitung "Vijesti".Nach Angaben des Oppositionspolitikers Djindjic hat die jugoslawische Führung wegen der Anti-Kriegs-Proteste in Krusevac den Ausnahmezustand über die Region verhängt.Belgrad dementierte die Demonstrationen wie die Desertionen.

Die Soldaten hätten gegen die Offiziere rebelliert, nachdem sie in ausländischen Hörfunksendern von den Demonstrationen in ihren Heimatstädten gehört hätten, hieß es im Pentagon.Ähnlich äußerte sich eine Serbin aus Berlin, die regelmäßig Kontakt zu ihrer Familie in Krusevac hat.Die Soldaten hätten erfahren, daß die serbische Sonderpolizei ihre Eltern wegen der Protestaktionen bedrohe.Daraufhin hätten die Soldaten angedroht, entweder die Offiziere oder sich selbst zu erschießen, wenn sie nicht gehen dürften.In Aleksandrovac habe die ganze Stadt die heimkehrenden Soldaten erwartet, die ihr Kommen telefonisch angekündigt hätten, berichtete ein Einwohner.Den Angaben zufolge gabe es weiter Demonstrationen, allerdings weniger intensive.

Nach Ansicht des Oppositionspolitikers Djundjic sind die Proteste privat motiviert."Sie wissen nicht, was mit ihren Verwandten passiert.Es sind keine politischen Anti-Milosevic-Proteste", sagte Djindjic der Deutschen Presse-Agentur.Im Westen würde ich sagen, es sind Bürgerinitiativen, die verlangen, daß ihre Söhne zurückkehren.In ihren Folgen treffen sie das Regime, in ihrer Absicht nicht", so der Oppositionspolitiker.

Das Fernsehen in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro lieferte zwei inoffizielle Versionen über die Hintergründe der Rückkehr.Demnach handelte es sich entweder um Deserteure, die unerlaubt ihre Einheiten im Kosovo verlassen hätten, oder um Reservisten, die von ihren Kommandeuren im Rahmen eines Teilabzugs der jugoslawischen Armee aus der serbischen Provinz nach Hause geschickt worden seien.Das Pentagon schloß letztere Möglichkeit aber aus.

Wenn sich die Informationen über die Desertionen bestätigten, sei dies als bedeutender Riß durch das jugoslawische Militär zu werten, sagte Pentagon-Sprecher Bacon: "Das kann ein Zeichen von Auflösung sein, ein Zeichen von Angst und ein Zeichen, daß die Nato-Angriffe jetzt Wirkung auf die Truppen zeigen."

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