Politik : Mehr als 20 000 Schüler gehen in Holland gegen geplante Oberstufenreform auf die Straße

Mehr als 20 000 Schüler in den Niederlanden haben am Montag gegen Schulstress demonstriert. Sie protestierten gegen die Oberstufenreform vom August, die am Modell der Montessori- Schulen orientiert ist und nach ihrer Ansicht auf mehr als 50 Wochenstunden Arbeit für die Schule hinausläuft. Ziel der Reform ist es, den Schülern der höheren Klassen selbstständiges Arbeiten beizubringen. Der traditionelle Klassenunterricht wurde auf zwei Stunden am Tag reduziert. Die Zahl der Prüfungsfächer stieg durch die Reform von sieben auf 14.

"Wir haben keine Zeit mehr für Sport, Kino oder einen Job", klagte ein 17-Jähriger. "Früher habe ich 40 Stunden in der Woche für die Schule gearbeitet, heute kommen zu den sieben Schulstunden täglich noch fünf Stunden für die Hausaufgaben", sagte ein Mädchen im niederländischen Radio. Die Schüler kritisierten auch, dass die Schulen nicht auf die Reform eingerichtet seien. Es gebe viel zu wenig Räume für das selbstständige Arbeiten. Lehrer klagten übedies, dass sie den Kontakt mit den Schülern verlieren würden.

Bei den Demonstrationen kam es zu Zwischenfällen. In Den Haag gingen mehrere Fensterscheiben des Parlamentsgebäudes zu Bruch. Auf dem Kundgebungsplatz wurden sowohl die Staatssekretärin für Unterrichtsfragen, Karin Adelmund, als auch mehrere Abgeordnete mit Eiern und Tomaten beworfen. Auch bei Schüler-Demonstrationen in Amsterdam flogen Eier und Tomaten.

Probleme mit einer Oberstufenreform gibt es auch in Griechenland. Justizminister Evangelos Giannopoulos sagte am Montag zu den seit einer Woche andauernden Schulbesetzungen: "Niemand kann andere daran hindern, am Unterricht teilzunehmen."

Linksgerichtete Schüler haben seit Anfang Dezember rund zehn Prozent der Schulen besetzt, um gegen eine seit zwei Jahren geltende Reform der Zugangsberechtigung zur Universität zu protestieren. Die Zulassung zur Hochschule hängt unterdessen von der Leistung des Schülers in den letzten beiden Schuljahren ab. Zuvor gab es lediglich eine schriftliche Aufnahmeprüfung für die Universität.

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