Politik : Mehr als 50 Tote: Algerier fürchten neuen Bürgerkrieg

Algier - Der lange Arm des Terrornetzes Al Qaida hat in Algerien wieder zugeschlagen. Mehr als 50 Tote und 150 Verletzte – das ist die blutige Bilanz der beiden Bombenanschläge vom vergangenen Donnerstag und Samstag, zu denen sich die „Al Qaida des Islamischen Maghreb“ bekannte. Die Anschläge reihen sich in eine Serie von Attentaten ein, die seit Anfang des Jahres das größte Land des Maghreb erschüttern. Obwohl das algerische Militär die Terroristen von „Al Qaida des Islamischen Maghreb“ intensiv bekämpft, schlägt die Gruppe, die sich früher GSPC (Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf) nannte, immer wieder zu.

Die Selbstmordanschläge gehören zu den blutigsten der vergangenen Monate. Erst Anfang April wurden bei zwei Attentaten auf den Regierungssitz und die Polizeizentrale in der algerischen Hauptstadt Algier mindestens 33 Menschen getötet und mehr als 220 verletzt. Im März kamen bei Bombenanschlägen auf einen Bus und mehrere Polizeifahrzeuge mehr als zehn Menschen ums Leben. Mindestens zehn Soldaten wurden im Juli in den Tod gerissen, als ein Attentäter versucht hatte, in einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen während des Morgenappells in eine Militärkaserne einzudringen – so wie auch am Samstag.

Während die Anschläge bisher überwiegend militärischen Einrichtungen, Regierungsgebäuden und Ausländern galten, richtete sich der Selbstmordanschlag vom Donnerstag erstmals gegen den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Der Attentäter hatte sich im Zentrum der Stadt Batna inmitten einer Menschenmenge in die Luft gesprengt, die auf den Präsidenten wartete. Kehren die „blutigen 90er Jahre“ wieder zurück?, fragen sich viele Algerier ängstlich, die hofften, durch die von Bouteflika 2005 verfügte Generalamnestie sei das dunkle Kapitel des Terrorismus endgültig abgeschlossen. Der Anfang der 90er Jahre ausgebrochene Konflikt zwischen bewaffneten islamistischen Gruppen und der Staatsmacht hatte mindestens 200 000 Todesopfer gefordert. Am Sonntag beteiligten sich zehntausende Menschen in Algerien an Protestgebungen gegen den Terror. dpa

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