Politik : Mehr als 60 Tote bei Anschlag in Ägypten

Weltweit schwerstes Attentat auf Touristen vor dem Hatschepsut-Tempel in Luxor / Zwei Deutsche unter den Opfern KAIRO/BONN (dpa).Beim weltweit blutigsten Terroranschlag auf Urlauber sind am Montag vor dem Hatschepsut-Tempel in der ägyptischen Stadt Luxor 56 Touristen getötet worden.Nach offiziellen Angaben starben auch vier Ägypter und sechs der sieben Attentäter.Nach unbestätigten Berichten sind Japaner, Schweizer, Franzosen und Deutsche unter den Toten. In dem Kugelhagel von Maschinenpistolen und anderen Schußwaffen wurden nach amtlicher Darstellung aus Kairo 24 Menschen verletzt, darunter zwölf Schweizer, zwei Deutsche, ein Japaner, ein Franzose und acht Ägypter.Am Nachmittag machten sich Ägyptens Präsident Mubarak sowie mehrere Minister auf den Weg nach Luxor.Journalisten erhielten bis zum Abend keine Zugangserlaubnis zum Unglücksort. Bei den Terroristen soll es sich um Mitglieder der größten ägyptischen Terror-Organisation Gamaa Islamija" (Islamische Vereinigung) handeln.Ein Bekennerschreiben oder -anruf lag bis zum späten Nachmittag nicht vor. Die sieben mit Maschinenpistolen bewaffneten Attentäter hatten Sicherheitskräften zufolge um 9 Uhr 15 Ortszeit vor dem Hatschepsut-Tempel den Reisebus mit den Touristen beschossen.Danach flüchteten sie in das Gebiet der Pharaonengräber.Nach einer mehrstündigen Verfolgungsjagd wurden sechs Attentäter erschossen.Ein siebter soll geflohen sein. Ein österreichischer Fernsehjournalist, der Augenzeuge des Terroranschlags wurde, sagte im Österreichischen Rundfunk, als die wilde Schießerei im Tempelbezirk von Luxur begann, habe der Touristenführer die Schüsse mit einer "Taubenjagd" oder einer "Familienfehde" zu erklären versucht.Dann aber hätten sich die Urlauber in einer Grabkammer zu Boden werfen müssen. Bundesaußenminister Kinkel, der noch am Abend fünf Mitarbeiter nach Luxor schickte, die bei der Indentifizierung helfen sollen, verurteilte die "widerliche Gewalttat irregeleiteter Fanatiker" auf das schärfste.Der britische Außenminister Cook äußerte sich mit denselben Worten.Auch die Arabische Liga verurteilte das Attentat; der Bürgermeister der Stadt Luxor erlitt einen Herzanfall. Das Blutbad von Luxor geschah zeitgleich mit der Eröffnung eines neuen Massenprozesses gegen 65 mutmaßliche Mitglieder der Gamaa-Islamija.Der Militärgerichtshof hat ihnen unter anderem die Planung von Attentaten auf führende ägyptische Politiker, darunter Präsidentenberater Osama el Bas, zur Last gelegt. In Ägypten waren zuletzt am 18.September neun deutsche Touristen und ihr ägyptischer Fahrer bei einem Anschlag vor dem ägyptischen National Museum in Kairo getötet worden.Zwei Brüder waren dafür am 30.Oktober von einem ägyptischen Militärgericht zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Die Touristik-Gruppe LTU und der Reiseveranstalter NUR bieten wegen des Terroranschlags in Ägypten ab sofort kostenlose Umbuchungen und Stornierungen in dieses Zielgebiet an."Das Auswärtige Amt weist nachdrücklich auf das Sicherheitsrisiko hin", hieß es in dem nach dem September-Attentat auf den deutschen Urlauberbus veröffentlichten Reisehinweis."Vermieden werden sollten Schiffs-, Bahn-, oder Auto(bus)reisen nach oder durch Mittelägypten südlich Beni Suef bis Kena.Transferfahrten auf der Strecke Luxor-Kena-Hurghada sollten mit den Sicherheitskräften abgestimmt werden.Hinweise der örtlichen Reiseveranstalter und der staatlichen Sicherheitsdienste sollten beachtet werden."

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