Politik : Mehr Arbeit, weniger Ressentiments

Frank Jansen

Berlin - Zunächst mal das Positive: Klassische Ressentiments wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Ablehnung Homosexueller, die Abwertung Obdachloser und Sexismus nehmen ab. „In erstaunlicher Parallelität zu sinkenden Arbeitslosenzahlen“ sei auch die Zustimmung zu vielen Elementen „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ gesunken, lautet eine der Kernthesen der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“, die der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer mit seinem Expertenteam der Universität Bielefeld seit 2002 jährlich erstellt. Heitmeyer stellte die Ergebnisse für 2008 am Donnerstag in Berlin vor. Die Wissenschaftler haben in diesem Jahr die repräsentative Befragung von 1763 Personen ausgewertet.

Das Ergebnis ähnelt in Teilen der Aussage einer anderen Langzeitstudie, an der die Psychologen Elmar Brähler und Oliver Decker von der Universität Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung seit 2002 arbeiten. Bei rechtsextremen Einstellungen gebe es bundesweit einen „erfreulichen Rückgang“, teilten die Wissenschaftler vergangene Woche mit.

Wie die Leipziger meldet indes auch das Heitmeyer-Team ein gravierendes „Aber“. Ausländerfeindlichkeit bleibt vor allem in Ostdeutschland ein enormes Problem. 62 Prozent der Ostdeutschen und 49 Prozent der Westdeutschen verträten die Ansicht, in der Bundesrepublik lebten zu viele Ausländer, berichteten die Bielefelder Forscher. Umgekehrt sind antisemitische Ressentiments im Westen weiter verbreitet als in den neuen Ländern. Heitmeyer warnte zudem vor den „Benachteiligungsgefühlen“ vieler Ostdeutscher. 64 Prozent seien der Meinung, Ostdeutsche seien Bürger zweiter Klasse“, bei den Westdeutschen halten sich nur 13 Prozent für minderwertig. Dazu passe, dass mehr Ostdeutsche der Demokratie kritisch gegenüberstehen. Frank Jansen

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