Politik : Mehr Betreuung, mehr Jobs Studie: Bis zu 460 000

Mütter könnten arbeiten

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Berlin - In Deutschland könnten zwischen 350 000 und 460 000 Mütter einen Job annehmen, würde die Ganztagsbetreuung von Schülern weiter ausgebaut. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn und der Bundeswehruniversität in Hamburg. Insbesondere bislang nicht erwerbstätige Mütter aus Westdeutschland könnten davon profitieren.

Das IZA fordert einen Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder zwischen sechs und elf Jahren. „Das ist gut angelegtes Geld“, sagte IZA-Experte Werner Eichhorst. Bisherige Angebote zur Ganztagsbetreuung richteten sich vor allem an Eltern von Kleinkindern. Ab 2013 haben Eltern mittlerweile einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz.

Das Institut rechnet mit Kosten von etwa 3,5 Milliarden Euro. Bei moderaten Elternbeiträgen sei das Projekt finanzierbar. Auch die öffentlichen Haushalte würden letztlich profitieren. Das IZA geht von einer spürbaren Entlastung der Sozialkassen aus, besseren Jobeinstiegschancen insbesondere für langzeitarbeitslose Alleinerziehende sowie langfristige Karriere- und Einkommensvorteile für Frauen aufgrund durchgängiger Erwerbsverläufe. Ein IZA-Sprecher sagte auf Anfrage des Tagesspiegels, dass Mütter bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten könnten. Auftraggeber der Studie sei das Bundesfamilienministerium, welches das Thema Ganztagsbetreuung weiter vorantreiben möchte.

Die SPD unterstützt den Vorschlag. „Viel zu viele Frauen bleiben unfreiwillig daheim oder arbeiten nur Teilzeit, weil sie keine Betreuung für ihre Kinder finden“, sagte Anette Kramme, SPD-Obfrau im Bundestagsausschuss für Familie und Soziales. „In der Zeit stehen sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, und bei längerer Auszeit veralten oft ihre Qualifikationen.“ Im Licht des heraufziehenden Fachkräftemangels könne Deutschland sich das nicht länger leisten. „Ich hoffe, das Familienministerium folgt den Empfehlungen der Studie und schafft es, Wolfgang Schäuble davon zu überzeugen, dass es sich um gut angelegtes Geld handelt“, sagte Kramme.

Unterstützung kommt auch aus der CSU. Norbert Geis, rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, hält den Vorschlag des IZA für „eine gute Sache“. Solange die Nachmittagsbetreuung freiwillig und nicht verpflichtend sei, unterstütze er das Vorhaben, sagte Geis dem Tagesspiegel. Das Ziel, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, so Geis, solle weiter vorangetrieben werden. Was die Kosten angeht, sieht Geis die Bundesländer in der Pflicht. „Der Bund hat schon einiges gemacht und muss noch mehr machen.“ Da Bildungspolitik aber Sache der Länder sei, müssten die sich auch beteiligen. Marc Etzold

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