Mehr Geld für Hospize und Palliativmedizin : Gröhe will Sterbenden helfen

Gesundheitsminister Hermann Gröhe will die Versorgung sterbenskranker Menschen verbessern. Damit setzt er ganz bewusst ein Signal für die Sterbehilfe-Debatte.

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Bessere Betreuung am Lebensende. Gesundheitsminister Gröhe will die Palliativmedizin stärken.
Bessere Betreuung am Lebensende. Gesundheitsminister Gröhe will die Palliativmedizin stärken.Foto: dpa

Hermann Gröhe hat es eilig. Bevor der Bundestag Anfang Juli in erster Lesung ein Verbot organisierter Sterbehilfe diskutiert, sollen sich die Abgeordneten bereits mit seinen Plänen für eine bessere Versorgung von Schwerst- und Todkranken befasst haben. Letzteres könnte ja, wie manche meinen, die Haltung zu Ersterem beeinflussen.

Inzwischen hat der Gesundheitsminister seinen Gesetzentwurf zum Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in die Ressortabstimmung geschickt. Vorgesehen ist in dem 34-seitigen Entwurf, der dem "Tagesspiegel" vorliegt, das Angebot an pflegerischer und medizinischer Betreuung zum Lebensende vor allem auf dem Land deutlich auszubauen.

Bessere Versorgung auch in Heimen und Krankenhäusern

Gleichzeitig soll auch die Vernetzung mit Krankenhäusern und Pflegeheimen besser werden. Die geschätzten Zusatzkosten liegen bei 150 bis 200 Millionen Euro pro Jahr.

So sollen Hospize künftig 95 und nicht mehr nur 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten erstattet bekommen. Dass es nicht 100 Prozent sind, wird in Regierungskreisen damit begründet, dem hohen zivilgesellschaftlichen Engagement in diesem Bereich nicht in die Parade fahren zu wollen.

Dafür sollen Ärzte, die sich ambulant als Palliativmediziner betätigen, mehr Honorar bekommen und Kliniken ihre Palliativstationen nicht mehr nur über knapp bemessene Fallpauschalen abrechnen müssen. Zudem sollen alle Alten- und Pflegeheime zu Angeboten für die letzte Lebensphase und diesbezüglich zu einer individuellen Beratung ihrer Bewohner verpflichtet werden.

SPD sieht dringenden Handlungsbedarf

Die SPD sprach von "dringendem Handlungsbedarf". Man müsse die Angebote für Gespräche, Seelsorge, psychosoziale Unterstützung und pflegerische sowie medizinische Versorgung insbesondere auf dem Land "besser verknüpfen, um Leid zu lindern“, sagten die Fraktionsexpertinnen Hilde Mattheis und Helga Kühn-Mengel.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warf der Regierung vor, bei dem Thema schon zu viel Zeit verstreichen lassen zu haben. Die palliativmedizinische Versorgung müsse dringend ausgebaut werden, ambulant wie stationär. Dass man damit jetzt beginne, sei richtig und vor dem Hintergrund der aktuellen Sterbehilfe-Debatte auch ein wichtiges Signal. "Denn die Erfahrung zeigt: Schwerkranke Menschen kommen von ihrem Sterbewunsch ab, wenn sie sich geborgen und gut versorgt fühlen."

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