Mehr Kohlendioxid : Rezession bremst Klimawandel kaum

Trotz der Wirtschaftskrise ist der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre weiter gestiegen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Messungen des norwegischen Polar-Instituts. Einen Zuwachs soll es vor allem in Schwellenländern geben.

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BerlinIn der Messstation auf dem Svalbard-Archipel in der Arktis ist im Durchschnitt der ersten beiden Märzwochen dieses Jahres ein durchschnittlicher CO2-Gehalt von 393,71 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) gemessen worden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 393,17 ppm.

Um die globale Erwärmung bei zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung zu begrenzen, darf der CO2- Gehalt nicht auf mehr als 450 ppm steigen. Allerdings ist der Wert umstritten. Manche Klimaforscher halten einen Wert von 350 ppm für die sichere Richtmarke – die hat die Welt jedoch schon vor einigen Jahren überschritten.

In Deutschland sind die CO2-Emissionen im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Energieverbrauch sank um sechs Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt um fünf Prozent fiel. Besonders drastisch ging in Deutschland der Einsatz von Steinkohle zurück. Nach Angaben der AG Energiebilanzen sank er um 18 Prozent. Rund elf Prozent des Gesamtenergiebedarfs wird nun noch durch Steinkohle gedeckt, der Anteil der Braunkohle liegt ebenfalls bei etwa elf Prozent. Die Atomenergie trägt noch zu neun Prozent zur Energieversorgung bei; 2009 sank die Stromproduktion der deutschen Reaktoren um rund zehn Prozent. Das dürfte allerdings nicht nur der Wirtschaftskrise geschuldet gewesen sein. Eine Reihe älterer Meiler ist mit minimaler Leistung gefahren worden, um sie über die Bundestagswahl 2009 hinauszuretten – eine Strategie, die im Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 auch in diesem Jahr noch fortgesetzt wird. EnBW hofft so, eine Stilllegung des Atomkraftwerks hinauszögern zu können und eventuell doch noch in den Genuss einer Laufzeitverlängerung für die Anlage zu kommen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat im vergangenen Herbst geschätzt, dass die CO2-Emissionen der Industrieländer 2009 um 2,6 Prozent gesunken sein dürften. Dennoch hat sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erhöht. Das spricht dafür, dass die Krise einige Schwellen- und Entwicklungsländer weniger hart getroffen hat als erwartet. Denn der Zuwachs kann wohl nur von dort kommen.

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