Politik : Mehr Praxis für Pädagogen

Hessens Universitäten sollen Lehrerausbildung reformieren

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden. Hessen will den Praxisbezug im Lehrerstudium von Anfang an einführen. Das ist die Konsequenz aus den ernüchternden Studien zur Qualität der Lehrerausbildung in Deutschland. Kultusministerin Karin Wolff und Wissenschaftsminister Udo Corts (beide CDU) legten am Dienstag ein Gesetzespaket zur gründlichen Reform der Lehrerbildung in Hessen vor. An allen Hochschulen des Landes werden künftig Zentren für Lehrerbildung über den Praxisbezug von Studieninhalten und Methoden wachen.

Die Angebote der Universitäten gingen an den Lehramtsstudenten weitgehend vorbei, sagte Wolff. Sie hätten dort keine Heimat, obwohl sie in vielen Fachbereichen den größten Teil der Studierenden stellten. Das Lehrangebot und die Organisation des Studiums müssten sich in Zukunft stärker an dem orientieren, was Lehrer in der Schule benötigten, so die Ministerin. Schon vor dem Studium, spätestens im ersten Semester, steht jetzt das erste vierwöchige Schulpraktikum, es folgen zwei weitere Studieneinheiten mit Praxisbezug, die als Module bewertet und in die Examensnote einbezogen werden. Eine dieser Praxiseinheiten kann auch in einem Betrieb abgeleistet werden. Grundschullehrer werden künftig in Hessen nicht mehr in erster Linie Fachwissenschaften studieren. Deutsch und Mathematik, ein musisches Fach und Sport werden zur Pflicht, ein Wahlpflichtfach bleibt zur individuellen Gestaltung des Studiums.

Die Zentren für Lehrerbildung an den Hochschulen werden gestärkt. Sie sollen Einfluss auf das Lehrangebot bekommen und bei der Berufung von Professoren künftig ein Mitspracherecht haben, betonte Corts. Nach dem Studium ist für Pädagogen in Hessen künftig Fortbildung ein Muss: Schulleiter können notfalls per Dienstanweisung dafür sorgen, dass Lehrer solche Angebote wahrnehmen.

Zudem will die Landesregierung die Voraussetzungen für die Einführung des einheitlichen Zentralabiturs und die Verkürzung der Schulzeit (12 Jahre bis zum Abitur) schaffen. Da die CDU im hessischen Landtag über die absolute Mehrheit verfügt, ist mit einer zügigen Verabschiedung der Reform zu rechnen.

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