Politik : Mehr Zeit für die Arbeit (Kommentar)

M.G.

Die beiden Schlichter im Öffentlichen Dienst sind alte Füchse im Verhandlungsgeschäft. Sonst hätten sie nicht sofort zu Beginn drei zusätzliche Tage für den verzwickten Tarifpoker vereinbart. Denn schon nach dem Auftaktgespräch war klar, dass beide Seiten zwar einen Streik vermeiden wollen, aber nicht so recht wissen, wie. Für die SPD-geführte Bundesregierung wäre ein ÖTV-Arbeitskampf ein unangenehmer Großkonflikt ausgerechnet mit ihrer Kernklientel. Umgekehrt kann ein streikender Öffentlicher Dienst wegen seiner quasi unkündbaren Arbeitsplätze und großzügigen Zusatzversorgung in Zeiten knapper Kassen und massenhafter Arbeitslosigkeit nicht automatisch mit der Sympathie der Bevölkerung rechnen. Insgesamt hat die Bundesregierung die besseren Karten. Sie kann auf die Milliardenschulden des Bundes verweisen und auf den Geist des Bündnisses für Arbeit. Bei dem Gehaltsangebot aus Berlin ist das Ende der Fahnenstange wohl erreicht. Anders sieht es aus bei der Angleichung der Ostlöhne. Hier werden die Schlichter den öffentlichen Arbeitgebern Zugeständnisse abverlangen, denen die sich schlecht verschließen können. Die Zeichen stehen auf Einigung. Doch vor den Beteiligten liegt noch ein hartes Stück Arbeit.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar