Politik : Mehrheit hält Koch-Vorstoß für Wahltaktik

Wiesbaden - Fast zwei Drittel der Deutschen (64 Prozent) sind der Ansicht, dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Thema Jugendkriminalität aus rein wahltaktischem Kalkül in den Vordergrund gerückt hat. In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage für das Magazin „Stern“ erklärten nur 25 Prozent, Koch sei es ein echtes, ehrliches Anliegen, wenn er jetzt ein härteres Durchgreifen gegen kriminelle jugendliche Ausländer fordere. Bei den Unionsanhängern halten 54 Prozent Kochs Vorgehen für ein Wahlkampfmanöver, in Hessen sehen das 65 Prozent der Befragten so. Gleichzeitig befürworten 63 Prozent der Bundesbürger ein härteres Vorgehen gegen kriminelle ausländische Jugendliche. 30 Prozent der Deutschen lehnen dies ab.

Nach einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des HR-Fernsehens hat Koch trotz der aktuellen Kampagne seinen Vorsprung vor der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti eingebüßt. Bei einer Direktwahl würden danach 44 Prozent dem amtierenden Ministerpräsidenten ihre Stimme geben, genauso viele würden Ypsilanti zur Ministerpräsidentin wählen. Im März 2007 hatten auf die gleiche Frage noch 48 Prozent für Koch votiert, nur 32 Prozent für Ypsilanti. Bei der Sonntagsfrage liegt in Hessen allerdings nach wie vor das bürgerliche Lager knapp vorn. 40 Prozent wollen ihre Stimme der CDU geben, 35 Prozent der SPD. Die FDP und die Grünen liegen gleichauf bei neun Prozent, die Linkspartei verfehlt mit vier Prozent den Einzug in den Landtag. Koch verliert danach zwar seine absolute Mehrheit, könnte aber zusammen mit der FDP weiterregieren.

In Niedersachen sieht die Sache laut Infratest dimap dagegen völlig anders aus. Dort führt Amtsinhaber und CDU-Vize Christian Wulff mit 63 Prozent vor dem SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Jüttner, der mit 23 Prozent abgeschlagen ist. csl/dpa

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben