Politik : Mein Gesicht gehört mir

Der Tod Udai Husseins – kaum einer hat sich so gefreut wie sein Doppelgänger Latif Yahia

Esther Kogelboom

Als er sich hundertprozentig sicher ist, lädt Latif Yahia Freunde in sein Haus bei Manchester ein. Sie tanzen und trinken die ganze Nacht, danach legt er sich hin und schläft sehr lange – angeblich zum ersten Mal seit 1987 tief und traumlos.

Wenn einer wirklich weiß, wie Udai Saddam Hussein aussieht, dann ist das Latif Yahia. Jahrelang musste er die Mimik und Gestik seines ehemaligen Klassenkameraden anhand von Fotos und Videobändern studieren. Er sollte Udais Double weden. Als er perfekt war und mit der Waffe spielen konnte wie das Vorbild, zwangen ihn Saddam-Vertraute, Udais Doppelgänger zu geben – bei Sportveranstaltungen und Truppenbesuchen musste Yahia für das Regime sein Leben aufs Spiel setzen. „Jetzt ist er wirklich tot“, sagt Laitif Yahia dem Tagesspiegel. „Als ich die Fotos gesehen habe, wollte und konnte ich es noch nicht glauben. Das Gesicht war schließlich zerstört.“ Erst Videoaufnahmen überzeugten ihn: „Er ist es. Ich habe ihn erkannt und bin erleichtert.“

Trotz aller Freude über den gewaltsamen Tod seines Alter Ego sagt Latif Yahia: „Streng genommen wäre es mir lieber gewesen, die Amerikaner hätten Udai und seinen Bruder nicht erschossen, sondern vor ein internationales Tribunal gestellt.“ Die Situation in seinem Heimatland hält Yahia weiterhin für untragbar. Ein wirklicher Regimewechsel könne nur von einem Iraker innerhalb des Landes vollbracht werden, so das Ex-Double. In den Irak zurückkehren will Latif Yahia auf keinen Fall. Das sei zu gefährlich, sagt er. Und dass seine Familie ihn im England Exil besuchen kommen kann, hält er nach wie vor für ausgeschlossen: „Niemand wird ihnen die Ausreise ermöglichen, Visa gibt es keine.“

Latif Yahia gelang kurz nach dem ersten Golfkrieg 1991 die Flucht über den Nordirak nach Europa. Man hatte ihn zuvor genötigt, öffentlich für Udais Plünderungen in Kuwait die Verantwortungen zu übernehmen. Yahia, dem ein Kierferchirurg Udais charakteristischen Überbiss verpasst hatte, woraufhin er lispelte wie Saddams Sohn, musste sich selbst als Doppelgänger enttarnen. Sein Job, der vorher schon gefährlich war, wurde lebensgefährlich. Seine Familie wurde festgenommen, als Latif Yahia nach Großbritannien reiste, sich in der Nähe von Manchester niederließ und ein neues Leben begann – als Privatdetektiv und Familienvater.

Glaubt Latif Yahia, dass man Saddam Hussein aufspüren wird? „Das ist möglich, aber sie werden ihn nur tot finden.“

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