Politik : Meinungsforscher streiten über Einfluss auf Wähler

Allensbach macht Konkurrenz für seine Fehlprognose und den Sieg von Rot-Grün verantwortlich / Kritik an Befragungstechniken

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Berlin (dpa). Der überraschende Ausgang der Bundestagswahl hat zu einem Streit unter den Meinungsforschungsinstituten geführt. Dabei geht es um den Einfluss der Demoskopen auf die Bundestagswahl. Nach einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur haben die zahlreichen Umfragen vor dem Wahltag die Deutschen nicht in ihrer Entscheidung beeinflusst. Dagegen sagte Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher, der Sieg von Rot-Grün sei letztlich auf die falschen Prognosen anderer Wahlforscher zurückzuführen. Die Forschungsgruppe Wahlen warf Allensbach vor, mit falschen und veralteten Methoden zu arbeiten.

Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) hatte noch einen Sieg von Schwarz-Gelb vorhergesagt, als andere Institute längst von einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rot-Grün ausgingen. Köcher sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, die „Siegeserwartung“ der Oppositionsanhänger sei kurz vor der Wahl völlig zusammengebrochen. Das sei nur „sehr begrenzt mit der tatsächlichen Stimmung in der Bevölkerung erklärlich“ - und müsste demnach auf falsche Prognosen anderer Wahlforscher zurückzuführen sein.

Dem widersprach der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung. Er nannte die Deutung Köchers „abenteuerlich“, dass die anderen Wahlforscher Schuld an der Fehlprognose ihres Instituts seien, weil sie mit ihren „falschen“ Daten das politische Klima so verändert hätten, dass die Allensbacher Prognose nicht eingetroffen sei.

Die falsche Berichterstattung aus Allensbach über den Meinungsbildungsprozess habe aber für die Union eine fatale Wirkung gehabt, meint Jung. Die von Allensbach beratene Union habe versäumt, ihre Wahlkampfstrategie zu ändern, „weil man ja den Sieg sicher in der Tasche zu haben glaubte“.

„Mühsam und andeutungsweise wird jetzt versucht, die Ursachen für dieses Desaster mit den schnellen Meinungsänderungen in der Bevölkerung zu erklären“, heißt es in Jungs Analyse. Daraus sei aber nur der Schluss zu ziehen, dass das „veraltete Instrument“ der persönlichen und langwierigen „Face-to-face-Befragungen“ von Allensbach, deren Ergebnisse bei der Veröffentlichung schon längst überholt seien, der Entwicklung nicht mehr gerecht werde.

Alle anderen Institute stützten sich fast ausschließlich auf telefonische Befragungen und Zufallsstichproben. „Der entscheidende Punkt für das Desaster bei Allensbach liegt in der Art der Stichprobenbildung und der Gewichtung der Daten, die von Allensbach offensichtlich vorgenommen wird“, sagt Jung.

Nach einer Umfrage des Münchner Polis-Instituts gaben 95 Prozent an, die Ergebnisse der so genannten Sonntagsfrage („Was würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?“) hätten keinen Einfluss auf sie gehabt. 57 Prozent räumten aber ein, dass sie sich für die Ergebnisse interessiert hätten. 42 Prozent gaben das Gegenteil an. Nur 4 Prozent erklärten, die Umfrageergebnisse hätten ihre Wahlentscheidung beeinflusst. 63 Prozent sprachen sich dafür aus, die Ergebnisse der Sonntagsfrage auch künftig in der Woche vor der Wahl zu veröffentlichen. 29 Prozent sind dagegen. Polis hatte vom 24. bis 26. September 1019 Menschen über 18 Jahre befragt.

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