Menschenhandel : „Die Justiz muss die Opfer besser schützen“

In der EU nehmen Menschenhandel und Zwangsprostitution zu, heißt es in einem Kommissions-Bericht. Ein Gespräch mit der Leiterin einer Beratungsstelle über die Arbeit mit traumatisierten Frauen - und die Fehler der Justiz.

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Monika Cissek-Evans leitet die Fachberatungsstelle für Opfer von Frauenhandel JADWIGA in München. Sie ist Teil des Netwerks gegen Frauenhandel.
Monika Cissek-Evans leitet die Fachberatungsstelle für Opfer von Frauenhandel JADWIGA in München. Sie ist Teil des Netwerks gegen...Foto: promo

Ich sehe hier bei meiner Arbeit ja nur einen kleinen Ausschnitt. Aber auch zu uns kommen mehr Frauen, im letzten Jahr hatten wir 20 Prozent mehr Fälle als im Jahr zuvor. Wir sind viel zu wenig Beraterinnen.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Die verschiedenen Fälle sind nur schwer vergleichbar. Bei drohenden Zwangsheiraten wenden sich viele Frauen von sich aus an uns. Sie können gut Deutsch, informieren sich über das Internet. Bei Zwangsprostitution ist das ganz anders, da läuft die Kontaktaufnahme meist über die Polizei oder andere Hilfseinrichtungen. Die Frauen sprechen oft kein Deutsch, wurden versteckt und gefangen gehalten. Sie sind absolut verängstigt. Wir versuchen, den Frauen dann erst einmal mit absoluten Basis-Dingen zu helfen. Sie besitzen oft nichts mehr. Sie bekommen zum Beispiel eigene Hygieneartikel, ein eigenes Bett und Kleidung. Wir versuchen dann, psychologische und juristische Unterstützung zu besorgen und begleiten Frauen auch bei Prozessen.

Was fordern Sie von der Politik?

Die Frauen brauchen besseren Schutz. Erstens sollte ihnen eine sichere Unterbringung mit medizinischer und psychotherapeutischer Betreuung garantiert werden. Gerade Traumatherapien werden oft nicht gewährt. Als zweites sollten Opfer von Menschenhandel nicht für Straftaten belangt werden, zu denen sie genötigt wurden. Oft werden Frauen, die gegen ihre Peiniger aussagen, selbst verurteilt, weil sie zum Beispiel einen falschen Pass haben. Außerdem sollten Frauen, die bereit sind auszusagen, ein Bleiberecht in Deutschland bekommen. Oft sind sie danach in Gefahr, aber für das Gericht ist die Aussage das Wichtigste. Es heißt oft, so ein Bleiberecht wäre nicht so einfach durchzusetzen. Aber man muss es auch mal so sehen: Das, was diese Frauen traumatisiert hat, wurde ihnen auch von deutschen Männern angetan.

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