Menschenrechte : Chinesischer Anwalt erhält Kelly-Preis

Folge deinem Gefühl: Das ist das Motto von Zhang Sizhi, der in China Regimekritiker verteidigt. Die Fortschritte in dem Land seien ihm "viel zu langsam", sagt er.

Katja Reimann

Berlin - Manchmal, das weiß Zhang Sizhi, kommt man als Anwalt in China nur „mit etwas härteren Knochen weiter“. Es ist eine chinesische Redewendung, die der 81-jährige Jurist mit erhobenem Zeigefinger zitiert. Sie steht für Hartnäckigkeit und Tatendrang und – sie passt zu seiner Arbeit. Seit Anfang der achtziger Jahre hat Zhang viele von den chinesischen Behörden angeklagte Regimekritiker verteidigt, hat sich für Menschenrechte und den Aufbau eines Anwaltswesens in seinem Land eingesetzt. Für sein Lebenswerk erhält der Strafverteidiger nun den mit 10 000 Euro dotierten Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung. Für die Verleihung am Dienstagabend war Zhang eigens nach Berlin gereist.

Bei seiner Arbeit versuche er, stets das Richtige zu tun, sagte Zhang. Dabei folge er seinem Gefühl. „Wenn ich das tue, dann erreiche ich auch meine Ziele.“ Selbstverständlich lebe er als Menschenrechtsanwalt in China riskant. Wann immer er eine Verteidigung übernehme, müsse er stets überlegen, welche Konsequenzen ihm dadurch drohten. Doch Zhang sieht dies nicht nur negativ: „Wenn der Druck nicht da wäre, dann wäre ein Anwalt nicht so bemüht, um Recht und Wahrheit zu kämpfen.“ Zwar habe sich die Menschenrechtslage in China während der vergangenen Jahre positiv verändert, doch seien die Fortschritte noch immer „viel zu langsam und viel zu gering“.

Zu Zhangs bekanntesten Klienten zählte etwa der Soziologe Wang Juntao, der 1989 die Studenten auf dem Tiananmenplatz beriet. Für viele junge chinesische Juristen ist Zhang ein großes Vorbild, weil er noch immer unermüdlich für Recht und Freiheit kämpft. Dafür, sagte Zhang und lachte, werde er auch weiterhin harte Knochen brauchen. Über seine Auszeichnung wird in den chinesischen Medien nicht berichtet. Katja Reimann

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