Menschenrechte : Human Rights Watch wirft auch den libyschen Rebellen Verbrechen vor

Gaddafis Truppen kennen keine Gnade. Doch auch die Aufständischen haben kürzlich in vier Ortschaften der Nafusa-Berge südlich von Tripolis schwer gewütet.

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Ein Feiertag für Libyen: Diktator Gaddafi scheint besiegt, die Freiheitsbewegung hat gewonnen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
22.08.2011 15:14Ein Feiertag für Libyen: Diktator Gaddafi scheint besiegt, die Freiheitsbewegung hat gewonnen.

Diesen Vorwurf erhebt die Menschenrechtsorganisation Human Right Watch (HRW), untermauert von Zeugenaussagen und Fotos, die angezündete Wohnhäuser, geplünderte Läden und verwüsteten Krankenhäuser zeigen. „Die Vorgesetzten der Rebellen haben die Pflicht, Zivilisten und ihr Eigentum zu schützen, insbesondere Hospitäler. Sie haben die Pflicht, jeden zur Verantwortung zu ziehen, der geplündert hat oder sich andere Übergriffe hat zuschulden kommen lassen“, heißt es in der HRW-Dokumentation.

Ein lokaler Kommandant der Aufständischen räumte die Untaten ein, erklärte aber, sie seien ein Verstoß gegen ausdrückliche Befehle gewesen. Auch die Führung in Benghazi bestritt, dass es eine systematische Politik der verbrannten Erde gegen Regionen gebe, die loyal zu Gaddafi waren. „Wir sind gegen jegliche Menschenrechtsverletzungen“, erklärte der Premierminister der Provisorischen Regierung, Mahmud Jibril. „Alle, die dafür verantwortlich sind, werden vor Gericht gestellt.“

Nach Angaben von HRW gerieten die Bewohner der vier Städtchen al-Awaniya, Rayayinah,  Zawiyat al-Bagul und Al-Qawalish im April und Mai zwischen die Fronten. Zunächst beschossen Einheiten Gaddafis die zivilen Wohngebiete wahllos mit Raketen und legten mindestens drei Minenfelder mit Sprengsätzen gegen Fahrzeuge und Personen. Die Häuser von vermuteten Anhängern der Aufständischen wurden niedergebrannt und ihre Geschäfte ausgeraubt. Als dann die siegreichen Rebellen einrückten, drehten sie den Spieß um. Sie knöpften sich vor allem die Bewohner von al-Awaniya und Zawiyat al-Bagul vor, die dem Gaddafi-treuen Mesheshiya-Stamm angehören. Sämtliche Häuser und Geschäfte entlang der Hauptstraße wurden geplündert und verwüstet. In Al-Qawalish zündeten die Rebellen 14 Wohnhäuser und ein Geschäft an, in allen Orten stahlen sie wertvolle Geräte aus den örtlichen Polykliniken, um sie zu ihrem westlichen Stützpunkt Zintan zu transportieren. In Rayayinah berichteten Bewohner, mehrere Nachbarn seien von den Aufständischen gefesselt und verprügelt worden.

Nach Angaben von HRW nahmen die Rebellen in den Nafusa-Bergen bisher 200 Gaddafi-Kämpfer fest. Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation konnten die Gefangenen ungehindert besuchen und befragen. Einige hätten angegeben, bei ihrer Festnahme geschlagen worden zu sein, mittlerweile aber fühlten sie sich korrekt behandelt.

Militärisch herrscht an den Fronten im Westen und im Osten im Augenblick Stillstand. Ein Versuch der Rebellen, die wichtige Ölverladestadt Brega zu erobern, die auf halbem Wege zwischen Benghazi und Tripolis liegt, wurde von Gaddafis Einheiten zurückgeschlagen. Im Westen mussten die Aufständischen einen Versuch aufgeben, die Nachschubstraße zwischen Tripolis und dem Süden unter ihre Kontrolle zu bringen.

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