Menschenrechte : Pedro, der Sklave

Er ist einer, der nichts hat, nichts ist, nichts darf – sagt er selbst über sich. Er ist ein Sklave, wie weltweit mehr als 12 Millionen Menschen.

Erwin Koch
Pedro
Pedro da Silva Conceição. -Foto: Christoph Wider

Als sie kommen, sechs Männer in schwarzen Kleidern und schwarzen Stiefeln, Maschinenpistolen in der Hand, Messer am Leib und kugelsichere Westen, weiß er nicht, ob er weglaufen soll oder sterben. Sie springen aus hohen weißen Wagen und schreien: Bundespolizei. Pedro da Silva Conceição hockt in der Mitte von Rauch und Ruß und bleibt sitzen, eine junge Frau, Papiere auf dem Arm, stellt sich vor ihn, sie hustet und spricht: keine Angst, wir möchten nur wissen, wie es dir geht.

Sie fragt nach seinem Namen, wann er geboren sei, Pedro hebt die großen schwarzen Hände: in Ceará.

Aber wann, fragt die Frau.

Drei Tage von hier, antwortet er.

Ich meine, wie alt bist du, Pedro da Silva Conceição?

63, sagt er, und sie notiert.

Und wie lange arbeitest du bereits in dieser Köhlerei?

Seit dem August im letzten Jahr.

Hast du für deine Arbeit einen Lohn bekommen?

Nie.

In Brasilien herrscht, seit 1888 verboten, Sklaverei. Die Zahl derer, die unter sklavengleichen Bedingungen leben, schätzt die Regierung auf 25 000, die Internationale Arbeitsorganisation ILO vermutet bis zu 40 000: Knechte auf abgelegenen Höfen im Norden des Landes, Köhler am Rand des Regenwalds, Industriearbeiter in der Nähe von São Paulo. Brasilien ist die zehntgrößte Wirtschaftsnation der Welt, Brasilien besitzt die fünfgrößte Kaufkraft der Erde, über die Hälfte des Bodens gehört einem Prozent der Bevölkerung, und die Massen der Ärmsten, zu jeder Arbeit bereit, um dem Hunger zu entkommen, sind nicht zu zählen.

Im Mai 1995 gestand der damalige Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso endlich die Sklaverei in seinem Land und versicherte Abhilfe. Das Arbeitsministerium schuf sieben Inspektionsstäbe, sogenannte mobile Gruppen, bestehend aus Bundespolizisten, Arbeitsrechtlern, Chauffeuren und einem Staatsanwalt, die seither einmal im Monat ins Land schwärmen, auf der Suche nach Sklaven und ihren Haltern. Doch Brasilien ist unermesslich, 8 511 965 Quadratkilometer groß, 22 Prozent der weltweit vorhandenen Anbaufläche, Brasilien ist 24-mal größer als Deutschland.

Und sie fragt: Hast du Familie?

Pedro schweigt.

Die Mutter hieß Suely Cruz de Oliveira, an den Namen des Vaters kann er sich nicht erinnern.

Die Frau sagt: Pedro, weißt du auch, an welchem Tag du geboren bist?

Im November, fragt er.

Du weißt es nicht.

Er schweigt.

Das macht nichts, sagt die Frau aus Brasilia, die eine Brille trägt und hustet.

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO in Genf nimmt an, dass weltweit mindestens 12,3 Millionen Menschen unter Zwang oder sklavenähnlichen Zuständen arbeiten und dass die, die Sklaven halten, daran 44 Milliarden US-Dollar im Jahr gewinnen. Die Sklaven der Jetztzeit, anders als jene des Altertums, sind, weil es so viele von ihnen gibt, ihren Besitzern nichts wert, sie sind jederzeit ersetzbar, der moderne Sklave ist keine Investition, er ist ein Wegwerfmensch, lästig und Abfall, sobald er müde oder krank ist.

Artikel 149 des brasilianischen Strafgesetzbuchs sieht vor, dass jemand bis zu acht Jahre ins Gefängnis zu sperren sei, der einen anderen zu Arbeit oder überlangen Arbeitszeiten zwingt oder erniedrigenden Arbeitsbedingungen aussetzt; oder der einen anderen in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt, sei es wegen übernommener oder mit dem Arbeitgeber eingegangener Schulden.

Noch nie saß ein Sklavenhalter in Brasilien seine Strafe ab.

Die Sklavenhalter sind oft Großgrundbesitzer, die in Rio de Janeiro oder in Brasilia leben und wenig anderes im Sinn haben, als Macht und Besitz zu mehren. Manche rühren in der Politik oder Justiz mit oder haben einen Sohn oder Neffen, der dies tut. Auf einer schmutzigen Liste der Sklavenhalter, die das Arbeitsministerium Anfang August 2006 veröffentlichte, finden sich 178 Namen, darunter der des Kongresssenators João Ribeiro von der rechtskonservativen Partei Partido Liberal, der Brasiliens Vizepräsident angehörte, bevor er im Sommer 2005 zur evangelikalen PMR huschte.

Von 147 Verfahren wegen Sklaverei, geführt allein in 14 Gemeinden des Südostens von Pará, endeten nur zwei mit einem Urteil: Die Bestraften hatten ihren Opfern ein halbes Jahr lang jeden Monat zwei Warenkörbe zu überstellen, darin, was den Hungertod verhindert, Reis, Bohnen, Mehl, Zucker, Kaffee.

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Ich kann nichts, sagt er und reibt die großen schwarzen Hände, Hände wie Schaufeln.

Irgendwann im Leben von Pedro da Silva Conceição war kein Vater mehr da, vielleicht im Gefängnis, vielleicht tot, Pedro war sieben Jahre alt, die Mutter schrie ihre Ältesten aus dem Haus, zog endlich zu einer Schwester an den Rand der großen Stadt Fortaleza, sie holte, um nicht zu hungern, fremde Männer in die Hängematte, Pedro putzte Schuhe, verkaufte Melonen, die er auf dem Markt stahl. Schließlich zog die Mutter weiter, Suely Cruz de Oliveira, Pedro, 14, schleppte im Hafen Säcke voller Reis, nachts, wenn keiner ihn sah, schnitt er sie auf und nahm davon.

Ich war nie in der Schule, sagt er, und die Frau notiert.

Pedro da Silva Conceição liebte Maria Lusângela Gonzaga Mendes, sie arbeitete am Hafen, schnitt Fischen Darm und Herz aus dem Bauch, sie war 17 und wurde schwanger. Dann verließen sie Fortaleza und zogen in den Bundesstaat Maranhão, wohnten in der Nähe einer Tante, Pedro wurde Vater, Lígia Maria de Lurdes, er war Sägereiarbeiter, Feldarbeiter, zog von Fazenda zu Fazenda, von Dorf zu Dorf, verdiente wenig, wurde wieder Vater, Raimunda Lindalva, Jakson, Celuton, Carlos, Anselmo, Claudir.

Eines Tages, am Rand von Teresina, Bundesstaat Piauí, erzählte ihm einer, Leute wie er, Pedro da Silva Conceição, arm und kinderreich, bekämen vom Staat Brasilien ein Stück Land geschenkt, drüben in Pará an einer neuen Straße, vor Monaten erst aus dem Wald gehauen, die Transamazônica. Pedro befahl seine Familie in einen Bus, drei Tage lang waren sie unterwegs und erreichten endlich Marabá. Sie gaben ihm, fünf Kilometer von der Transamazônica entfernt, ein Stück Land, nichts als Wald, 2000 Meter tief, 500 Meter breit, nichts als Hitze, zwölf Stunden zu Fuß bis zum nächsten Ort, Pacajá. Er baute eine Hütte, verbrannte den Wald, pflanzte Reis und Mais, manchmal traf er ein wildes Tier, erschoss es, aß es.

Schließlich hatte er Geld genug, um ein Fahrrad zu kaufen, er brachte den Reis nach Pacajá, betrank sich und kehrte nach Tagen erst zurück, im Sommer Staub, im Winter Schlamm. In Pacajá redeten sie, noch weiter im Westen sei der Wald voller Gold, man brauche es nur zu sammeln, Klumpen von Gold, bedeckt höchstens von Moos oder Laub. Pedro wagte nicht, seiner Frau davon zu erzählen. Wieder und wieder steckte er Reis in die Erde und gewann wenig, er versuchte es mit Pfeffer, mit Zucker, Maniok, und als er an einem Morgen, allein im Wald, einen Nachbarn an einem Baum hängen sah, beschloss Pedro da Silva Conceição sein Land, das er hasste, zu verlassen, um reich zu werden mit Gold.

Wo ist deine Arbeitskarte, fragt sie.

Er hat sie mir genommen.

Wer?

Dem die Köhlerei hier gehört.

Weißt du, wie er heißt?

Weiß ich nicht, sagt Pedro.

Wie rufst du ihn denn?

Jorge.

Weißt du, wo er lebt?

Nein.

Wann nahm er dir deine Arbeitskarte?

Als ich hier anfing.

Und auch deinen Personalausweis?

Auch den.

Pedro sitzt in der Mitte von Rauch und Ruß, er spielt mit den Fingern, Hände wie Schaufeln, er sieht die Polizisten in ihren schweren schwarzen Kleidern und möchte fort.

Pedro, fragt die junge Frau, weißt du, was ein Sklave ist?

Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva, als Gewerkschafter groß geworden, rief am 22. Oktober 2003 eine nationale Kampagne zur Abschaffung der Sklavenarbeit aus, Sklaverei, sagte er, sei eine Schande, auszurotten bis Ende 2006. Er versprach, dass, wer Sklaven hält, enteignet werde. Doch der Präsident, um politisch zu überdauern, verlobt sich von Fall zu Fall mit anderen Parteien, sogar mit der Partei der Oligarchen, dem Partido da Frente Liberal, der sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen eine Landreform wehrt und zuwege brachte, dass die Abstimmung über den Verfassungszusatz, wonach Sklavenhalter zu enteignen seien, im Parlament bis heute verschoben wurde.

Zu wirken aber scheint die schmutzige Liste des Arbeitsministeriums, die auf 178 Namen angewachsen ist. Wer darauf steht, findet in den Kreditprogrammen der nationalen Finanzierungsfonds keine Aufnahme mehr und wird wirtschaftlich geächtet von den vielen, die den sogenannten Pakt zur Vernichtung der Sklavenarbeit unterschrieben haben.

In den vergangenen elf Jahren befreiten die mobilen Gruppen rund 20 000 Menschen, die wie Sklaven gehalten wurden, aus 1500 Betrieben, Großfarmen, Köhlereien, Sägereien. Allein im Bundesstaat Pará, der meistverrufenen Ecke des Landes, wo im Lauf der letzten 35 Jahre 800 Kleinstbauern ermordet wurden, weil sie ihren Boden, ihre Hütte nicht den Mächtigen überließen, allein in Pará entdeckten die mobilen Gruppen im Jahr 2005 während 24 Einsätzen in 62 Betrieben 1128 Sklaven, die schließlich von ihren Ausbeutern mit 2,1 Millionen Reais entschädigt wurden, 740 000 Euro.

Ein Sklave, knurrt Pedro, ist einer wie ich.

Einer wie du, sagt die Frau und setzt sich neben ihn aufs Holz.

Einer, der nichts hat, sagt Pedro, und der nichts ist, der nichts kann und nichts darf und nichts sagt und ...

Und?

Er sagt, ich schulde ihm Geld.

Wer sagt das?

Jorge.

Wie viel?

Neuntausend.

Das ist viel Geld, sagt sie.

Ja, viel Geld, nickt Pedro da Silva Conceição.

Als er seine Familie verließ, die Frau, sieben Kinder, war er, denkt Pedro, 30 Jahre alt oder 40. Er ging nachts, sprach kein Wort. An der Transamazônica, dem unendlichen Band aus Staub und Tränen, hielt er einen Lastwagen an, Pedro setzte sich zwischen das Vieh und stieg erst ab, als der Wagen hielt, in Altamira an einem breiten Fluss. Er fragte einen Mann, wo das Gold liege, nur von Moos bedeckt. Der Mann lachte. Am Rand der Stadt legte Pedro sich zu einer Frau und gab ihr sein letztes Geld. Plötzlich war einer neben ihm, er trug ein sauberes Hemd und sagte: Ich habe Arbeit für dich, elf Reais am Tag, Tag für Tag, komm mit.

Wieder stieg er auf einen Lastwagen. Sie fuhren zum Fluss Xingu, dort warteten andere, sie nahmen die Fähre, der Fremde sagte: Drüben ist ein Restaurant, esst und trinkt, so viel ihr wollt, alles auf meine Rechnung. Sie aßen, sie tranken und fuhren zwei Tage weit, immer tiefer in den Wald. Schließlich erreichten sie eine Fazenda, umgeben von einem hohen Zaun, ein Mann stand dort, das Gewehr in der einen Hand, den Hund an der andern. Pedro bekam ein scharfes krummes Messer, das an einer Stange steckte, er bekam Stiefel, einen Hut, Pedro begann, zu jäten und zu roden, sobald es hell war, er hörte auf, wenn die Nacht kam. Nach einem Monat fragte er: Hast du mir nicht elf Reais versprochen, Tag für Tag? Stimmt, sagte der Mann, den alle Gato riefen, Kater, aber solange du bei mir Schulden hast, bekommst du keinen Lohn. Was für Schulden? Das feine Mahl am Rio Xingu, die lange Fahrt hierher, die Stiefel, die du trägst, den Hut, die Hose, dein Werkzeug, das Essen.

Pedro da Silva Conceição arbeitete jeden Tag, er schlief unter schwarzem Plastik, trank aus einem Loch. Jeden Abend kam ein Mann auf einem Esel geritten und stellte einen Eimer ab, darin Suppe mit Brot und Bohnen, manchmal Fetzen von Fleisch und Sehnen. Nach drei Monaten war Pedro müde und krank, er konnte kaum noch gehen. Gato, der Kater, befahl ihn und zwei andere, denen es nicht besser ging, auf einen Wagen, während Stunden fuhren sie durch den Wald, Pedro erbrach, Gato streckte die Arbeitskarte hin, den Personalausweis: Verschwindet.

Sie warteten und schliefen und gingen dann weiter. Ein Lastwagen nahm sie mit, und endlich erreichten sie einen Ort, Uruará. Ein Fremder sagte: Ich habe Arbeit, sonntags frei, 200 Reais im Monat. So schlimm wie das letzte Mal, dachte Pedro, kann es nicht sein. Als er am Sonntag nicht aus der Matte stieg, zog ihm der Mann, der vielleicht Branquinho hieß, einen Stock über den Rücken und schrie: Du Sack, steh auf. Pedro stand auf, da traf ihn die Schaufel des Mannes, zerschlug ihm die große Zehe am linken Fuß. So geht es jedem, der liegen bleibt.

Manchmal fand Pedro eine tote Kuh, dann vertrieb er die Geier, die darauf saßen, schnitt sich ein Stück ab. Eines Nachts hörte er Schüsse und das Bellen der Hunde. Die Männer erzählten sich, einer habe zu fliehen versucht. Einer fehlte, Tage später fanden sie ihn, bedeckt von Ameisen und Fliegen. Wieder wurde Pedro da Silva Conceição müde, wieder krank, sie brachten ihn an die Straße, die nach Itaituba führt, gaben ihm die Arbeitskarte, den Personalausweis: Zieh weiter.

Was hat dir Jorge versprochen?

Er gibt mir ja nichts.

Aber er hat dir einen Lohn versprochen, nicht wahr?

25 für jeden Ofen.

Warum bleibst du hier, fragt sie, wo Jorge dich nie bezahlt?

Pedro schaut zu Boden, er schaut hinüber zu den Öfen, alles schwarz, die Erde, die Menschen, kahl und schwarz.

Warum, fragt die junge Frau.

Man geht nicht weg, wenn man Schulden hat, sagt Pedro.

Zeigst du mir, wo du schläfst?

Er nickt und hinkt durch die Hitze, Öfen links, Öfen rechts, gelber stinkender Rauch, in der Ferne ein letzter hoher Baum, ohne Laub, schwarz.

Das beste Roheisen der Welt, geliebter Stoff der Autohersteller, stammt aus Brasilien. Jahr für Jahr verlassen 2,2 Millionen Tonnen Roheisen das Land, ein Markt von 400 Millionen US-Dollar. Roheisen entsteht aus Eisenerz, wird geschmolzen, eine Tonne Roheisen bedingt 2,6 Tonnen Holzkohle. Holzkohle macht nicht nur Hitze, sondern, anders als Steinkohle, auch einen chemischen Wirkstoff, der die Bildung von Sulfur verhindert, Roheisen, das mit Sulfur verschmutzt ist, taugt nicht für hochklassigen Stahl. Rund ein Drittel des Werts, den brasilianisches Roheisen hat, macht der Umstand aus, dass es auf Holzkohle entstand. 20 000 bis 23 000 Öfen stehen in Amazonien, gefüllt mit Holz aus dem Regenwald, betrieben von 10 000 bis 12 000 Köhlern. Ihre Ware liefern die Köhlereien den Schmelzereien, manche Schmelzereien unterhalten Abnahmeverträge, sind, so dort Sklaven leben, Mitsklavenhalter. Die Köhlereien wandern mit der Waldgrenze, alle zwei bis drei Jahre wechseln sie den Ort, um in der Nähe ihrer Quelle zu sein, Wald.

Pedro da Silva Conceição, dünnes Plastik unter den Füßen, hinkt durch die Hölle, vorbei an den Pistolen der Polizisten, die ständig husten, an den hohen weißen Wagen aus Brasilia, Ruß wirbelt auf, die Frau fragt: Und die Narben an deinen Beinen?

Pedro versteht die Frage nicht.

Woher hast du die Narben an deinen Beinen?

Von der Kohle, antwortet Pedro. Wenn sie noch heiß ist.

Jetzt dreht sich Pedro zur Frau: Ich hatte eine Kettensäge.

Eine Husqvarna.

Und wo ist sie nun?

Jorge sagte, ich habe Schulden, er sagte, wenn du mir die Säge lässt, lass ich dir die Schulden.

Aber Jorge hat sie mir nicht gelassen.

Im August vor einem Jahr zeigte Jorge ihm, wie der Ofen zu füllen ist, wie er dann zu schließen sei mit Lehm und bloßen Händen, er lehrte das Holz entzünden durch das kleine Loch am Fuß des Meilers, dann, von oben nach unten, ein Luftloch nach dem andern schließen, jetzt warten und wachen und nach acht Tagen den Ofen öffnen und dann, sobald die Hitze erträglich ist, leeren, Schaufel nach Schaufel voller schwarzer heißer Kohle, dann den Ofen füllen, anzünden, warten und wachen leeren füllen.

Hasst du Jorge, fragt sie.

Er gibt mir Arbeit, sagt er.

Aber keinen Lohn.

Wo soll ich denn hin?

Pedro zeigt auf eine Hütte, Wellblech auf dem Dach, Betonboden, Hängematten, an einem Draht trocknet fettiges Fleisch, ein Hund liegt daneben, dünn und ausgezehrt, er zuckt, Fliegen auf dem Fell, hört zu zucken auf und ist tot.

Hier wohne ich.

Die Frau hält sich ein Tuch vor den Mund.

Und die Toilette?

Er führt sie hinter das Haus, zeigt ein Loch in der Erde.

Wie viele Menschen leben hier?

Weiß nicht, vielleicht 10, 20.

Und wo holt ihr das Wasser?

Pedro da Silva Conceição hinkt in ein kleines Tal, die Frau, Papiere auf dem Arm, folgt ihm, und als er das Tal erreicht, schreckt er zurück, ein Mann steht im Sumpf, graues trübes Wasser in einem alten Bach, links und rechts ein Bundespolizist, der Staatsanwalt, und Jorge schaut zu Pedro, fragt: Hast du mich verraten?

Wie könnte ich, antwortet Pedro und will fort.

Ihr seid alle entlassen, schreit Jorge Pereira Acrião, Sklavenhalter, so undankbar seid ihr Hunde, dass ich euch alle entlasse.

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