Menschenrechte : Tschechien sterilisiert Sexualstraftäter

Das Anti-Folter-Komitee des Europarates hat sich besorgt über die Sterilisation von Sexualstraftätern in geschlossenen psychiatrischen Anstalten der Tschechischen Republik geäußert.

StraßburgDer Europarat in Straßburg hat sich besorgt über die Sterilisation von Sexualstraftätern in geschlossenen psychiatrischen Anstalten der Tschechischen Republik geäußert. Es gebe "erhebliche Zweifel" daran, ob solche "unumkehrbare Eingriffe" an Menschen vorgenommen werden sollten, die inhaftiert seien und möglicherweise unter Druck gesetzt würden, rügte das Anti-Folter-Komitee des Europarats in einem am Freitag veröffentlichten Bericht. Die Regierung in Prag müsse sicherstellen, dass die Betroffenen ausreichend über die Konsequenzen informiert werden. Dabei müssten sie sich auch an eine unabhängige Stelle außerhalb der psychiatrischen Anstalt wenden können.

 Eine Delegation des Komitees bestehend aus Ärzten, Psychiatern und Strafvollzugsexperten hatte im Frühjahr 2006 bei Besuchen in zwei geschlossenen psychiatrischen Anstalten in Mähren erfahren, dass Sexualstraftätern regelmäßig operationelle Sterilisationen vorgeschlagen werden. Die Betroffenen müssten dazu zwar ihre Einwilligung geben, doch sei fraglich, ob dies nicht unter Druck geschehe, stellte das Komitee fest. Die im tschechischen Gesetz vorgeschriebene "freie" Entscheidung sei nur schwer mit einer Situation zu vereinbaren, in der die Wahlmöglichkeiten der Betroffenen "extrem begrenzt" seien. Wer die Operation ablehne, müsse mit einer dauerhaften Internierung rechnen.

 Der am gleichen Tag veröffentlichten Antwort der Prager Regierung zufolge wurden zwischen 2000 und 2006 in der Tschechischen Republik rund 300 Sexualtäter einer libido-unterdrückenden medikamentösen Behandlung unterzogen, der so genannten chemischen Sterilisation. An etwa 50 anderen wurde eine operationelle Sterilisation vorgenommen. (mit AFP)

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