Politik : Menschenrechtler berichten von grausamen Foltermethoden in "Filtrationslagern"

Tschetschenische Männer werden von russischen Truppen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen willkürlich verhaftet und in so genannten "Filtrationslagern" gefoltert. Schwere Prügel, Vergewaltigungen und andere Grausamkeiten seien dort an der Tagesordnung, berichteten Human Rights Watch und Flüchtlinge in dem nordossetischen Ort Malgobek. Der russische Tschetschenienbeauftragte Sergej Jastrschembski wies die Berichte als "Spitzenthema des von westlichen Medien entfesselten Informationskriegs" gegen Russland zurück.

Doch die Weltorganisation gegen Folter in Genf erklärte am Donnerstag: "Wir können nicht ignorieren, dass die Filtrationslager tatsächlich Konzentrationslager sind, in denen russische Soldaten straflos schwerste Grausamkeiten verüben." Aufgabe der Filtrationslager ist es nach offiziellen Angaben, "Terroristen ausfindig zu machen". Jastrschembski sagte, europäische Beobachter könnten das Lager Tschernokosowo inspizieren; der Menschenrechtskommissar des Europarats, Alvaro Gil-Robles, werde dort am kommenden Donnerstag erwartet. "Dort wird Routinearbeit wie in jedem anderen Lager auch verrichtet". Jastrschembski sagte am Donnerstag weiter, in Tschernokosowo seien 16 Frauen unter den 235 Gefangenen. Einen Bericht der Pariser Zeitung "Le Monde", dort würden auch Kinder festgehalten, wies er energisch zurück. Der amtierende Präsident Wladimir Putin ernannte unterdessen den Leiter des Föderalen Einwanderungsdienstes, Wladimir Kalamanow, zu seinem Sondergesandten für Menschenrechte in Tschetschenien.

US-Außenamtssprecher James Rubin sagte dazu: "Russland hat die klare Verpflichtung, umgehend Ermittlungen über die zahlreichen glaubwürdigen Berichte über die Tötung von Zivilisten und Vorwürfe über Fehlverhalten seiner Soldaten aufzunehmen." Die USA seien "tief besorgt über die humanitäre Lage und die Menschenrechtslage in der Kaukasusrepublik".

Der russische Katastrophenminister Sergej Schoigu will in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny unterdessen eine Volkszählung durchführen. Wie die Moskauer Nachrichtenagentur Itar-Tass am Freitag unter Berufung auf den Minister weiter meldete, soll so genau Aufschluss über die notwendigen Hilfsmaßnahmen für die verbliebenen Zivilisten in der zerstörten Stadt gewonnen werden. Eine Regierungskommission solle bereits in den kommenden Tagen damit beginnen, eine "Schadensbilanz" zu erstellen und an alle Bewohner russische Pässe auszugeben. Im gebirgigen Süden Tschetscheniens haben Russlands Militärs nach eigenen Angaben indes weitere, von den Separatisten bislang kontrollierte Gebiete erobert.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben