Politik : Menschenrechtler fordern Aufklärung über Armee-Massaker

Nach dem Massaker an etwa 200 Dorfbewohnern im zentralnigerianischen Bundesstaat Benue durch Regierungssoldaten wächst dort die Kritik an Präsident Olusegun Obasanjo. "Mein Vertrauen in dieses Land ist erschüttert", sagte der ehemalige Militärchef Victor Malu am Freitag im Rundfunksender BBC. "Präsident Obasanjo muss die Verantwortung für die Aktion seiner Armee tragen. Er muss der Straflosigkeit ein Ende bereiten, die das Militär genießt", forderte der Afrika-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Peter Takirambudde.

Die Organisation drängt Obasanjo zu einer raschen, unabhängigen Untersuchung des Massakers. Lokale Medien berichteten am Freitag, die Regierungsarmee habe ihre Aktionen auf Befehl von Präsident Olusegun Obasanjo eingestellt. Gouverneur George Akume erklärte in der Provinzhauptstadt Makurdi, die Soldaten hätten die Bluttat ohne Wissen der Regierung verübt. Uniformierte Männer hatten am Montag zunächst die Ortschaft Zaki Biam angegriffen. Dort waren am 12. Oktober 19 Soldaten zerhackt aufgefunden worden. In einem Racheakt hätten die Militärs dort Zivilisten unter Beschuss genommen und die meisten Gebäude mit Granaten in Schutt und Asche gelegt. In sieben weiteren Dörfern seien Zivilisten zusammengetrieben, erschossen und verbrannt worden, berichteten Behördensprecher.

Die Aggressionen hätten sich vor allem gegen Vertreter des Stammes der Tiv gerichtet. Politiker der Provinzregierung sprachen von einer ethnisch motivierten Attacke. Präsident Obasanjo hatte die Soldaten ursprünglich nach Benue beordert, weil es dort Spannungen zwischen den Völkern der Tiv und der Jukun gegeben hatte. Menschenrechtler kritisierten das Verhalten der gesamten nigerianischen Führung. Offiziere und Politiker hätten gewusst, dass die aufgebrachten Soldaten mit Gewalt auf die Morde an ihren Kameraden reagieren würden, sagte Peter Takirambudde. Es sei aber nichts unternommen worden, um die Massaker zu verhindern.

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