Menschenrechtsgruppe : Israel soll Phosphor bei Angriffen in Gaza einsetzen

Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hat Israel bei Kämpfen in Gaza weißes Phosphor eingesetzt. Der Einsatz des Mittels ist zwar nicht verboten, führt jedoch in dichter besiedelten Gebieten zu einer größeren Gefahr für die Zivilbevölkerung. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben bisher mindestens 550 Hamas-Kämpfer getötet.

Tel Aviv/jerusalem/GazaBei der Offensive im Gazastreifen hat die israelische Armee nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch Phosphor eingesetzt. Wie die Organisation am Samstagabend mitteilte, setze Israel weißen Phosphor offenbar als Täuschungsinstrument bei den Einsätzen ein. Phosphor wird in sogenannten Rauchgranaten verwendet, mit denen vorrückende Truppen vor sich einen Schutzschirm aus Rauch und Nebel aufbauen. Internationale Gesetze würden den Einsatz der Substanz erlauben, in Gebieten mit einer höhen Bevölkerungsdichte wie dem Gazastreifen könne dies allerdings Verbrennungen bei palästinensischen Zivilisten verursachen, sagte Marc Garlasco von Human Rights Watch.

Die Menschenrechtsorganisation forderte Israel auf, den Einsatz von weißem Phosphor sofort einzustellen. Das israelische Militär wollte die Verwendung der Substanz nicht bestätigen. Die Armee würde keine international verbotenen Waffen in Gaza einsetzen, hieß es. Nach Angaben von Human Rights Watch kann der weiße Phosphor Hautverbrennungen verursachen und auch Felder oder Häuser in Brand setzten.

Hamas-Chef spricht von einem "Holocaust"

Bisher hat die israelische Armee bei ihrer Offensive im Gazastreifen nach eigenen Angaben mindestens 550 Hamas-Kämpfer getötet. Rund 250 Kämpfer seien in der ersten Woche bei Luftangriffe gestorben, sagte ein hochrangiger israelischer Militärangehöriger am Samstag in Jerusalem. Während der zweiten Phase, der Bodenoffensive, seien mindestens 300 Kämpfer der radikalislamischen Organisation getötet worden.

Unterdessen teilten die palästinensischen Rettungskräfte mit, seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes "Gegossenes Blei" vor zwei Wochen seien 854 Palästinenser getötet worden. Unter den Toten seien 270 Kinder und 93 Frauen, sagte der Chef der Rettungskräfte, Muawija Hassanein, in Gaza. 3490 Menschen seien verletzt worden.

Hamas-Chef Chaled Maschaal sprach von einem "Holocaust". Das Blut palästinensischer Kinder werde vergossen, um die Aussichten der israelischen Führung bei den Wahlen im kommenden Monat zu verbessern, sagte der im syrischen Exil lebende Maschaal in einer Fernsehaufzeichnung für die Sender El Dschasira und El Arabija. Die israelische Militäroffensive werde scheitern. Bislang habe die Armee kein einziges ihrer Ziele erreicht. Der Sieg der Hamas sei nahe. (jg/dpa/AFP)

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