Politik : Menschenschmuggel: Schleusern drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis

Vor einem Gericht in Rotterdam hat am Montag der Prozess um den Tod von 58 Chinesen begonnen, die beim Versuch der illegalen Einreise nach Großbritannien im Juni 2000 in einem Kühllastwagen aus Rotterdam erstickt waren. Neun Angeklagte müssen sich in dem Verfahren unter der Anklage des Menschenschmuggels verantworten. Acht von ihnen wird dabei Totschlag oder fahrlässige Tötung, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie Urkundenfälschung zur Last gelegt.

Ein kurz nach Eröffnung gestellter Antrag von Verteidigern, den Prozess sofort zu vertagen, um den Anwälten eine bessere Vorbereitung zu ermöglichen, ist zunächst abgewiesen worden. Die drei Hauptangeklagten sind in den Niederlanden lebende gebürtige Türken im Alter zwischen 22 und 36 Jahren. Sie sollen zusammen mit fünf Niederländern, die mit ihnen im stark abgesicherten Gerichtssaal in Rotterdam auf der Anklagebank sitzen, das Durchschleusen der aus China angereisten Einwanderer organisiert haben.

Den Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft. Dabei wird auch die Klärung der Frage eine Rolle spielen, ob die Lüftungsklappe des Kühlcontainers absichtlich von außen geschlossen wurde oder im Fahrtwind zuwehte. Der niederländische Fahrer des Lastwagens, in dem Zöllner im britischen Hafen Dover nur noch zwei Überlebende angetroffen hatten, steht derzeit in Südengland vor Gericht.

Einige der Angeklagten in Rotterdam sollen bereits früher mitgewirkt haben, als illegale Einwanderer eingeschleust wurden. Der Hauptbeschuldigte Gursel Öckan stand nach Angaben der Anklage vor dem Todestransport bereits längere Zeit unter Verdacht, am Menschenschmuggel beteiligt gewesen zu sein. Er wurde deswegen von niederländischen Ermittlern beschattet. Gerade an jenem Wochenende, an dem die chinesische Gruppe im Rotterdamer Hafen in den Kühllaster Richtung Dover gebracht wurde, hatte aber nach amtlichen Angaben keine Beobachtung stattgefunden.

Im niederländischen Parlament hatte Justizminister Benk Korthals bestritten, dass die Behörden an diesem Tag absichtlich weggesehen hätten. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, den Transport als eine Art Köder durchzulassen, etwa um weitere Hintermänner fassen zu können, wie in der Presse vermutet worden war. Die Verteidigung erklärte, sie wolle Beamte der Einwanderungsbehörde und der Polizei in den Zeugenstand rufen. "Wenn die Staatsanwaltschaft einräumen muss, dass der Kühllaster durchgelassen wurde, wäre das verheerend für ihren Fall", sagte der Verteidiger Peit Doedens.

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