Politik : Merck: Berlin muss keine Angst haben

Vorstandschef Römer schließt Zugeständnisse nicht aus und will Schering überzeugen

Moritz Döbler,Maren Peters

Berlin - Der Pharmakonzern Merck hat das Berliner Traditionsunternehmen Schering zu Gesprächen aufgefordert, um die Modalitäten der geplanten Übernahme zu klären. Offenbar sind Zugeständnisse denkbar. Auf die Frage, ob der Forschungsvorstand in Berlin angesiedelt werden könne, sagte Merck-Chef Michael Römer dem Tagesspiegel: „Die Tür für Gespräche mit Schering ist offen. Es ist momentan nicht an uns, weitere Angebote zu machen.“

Der Chef der Chemie-Sparte von Merck, Walter Zywottek, sagte am Freitag in Frankfurt, es sei „eine von mehreren Optionen“, das Pharmageschäft in Berlin anzusiedeln. Das Merck-Management werde den Konzern leiten, die Führung könne aber ergänzt werden. Auch dies hänge von Gesprächen ab, denen sich Schering aber bisher verweigere.

Römer sagte, der Umfang des Stellenabbaus sei noch nicht zu beziffern. „Es ist unverantwortlich, jetzt eine Zahl zu nennen. Klarheit kann erst die gemeinsame Analyse mit Schering bringen“, sagte er mit Blick auf die Darstellung von Schering, es könnten 7500 Stellen wegfallen. Aus dem Umfeld von Merck war bisher von bis zu 4500 Stellen weltweit die Rede, die durch natürliche Fluktuation in den nächsten drei Jahren abgebaut werden könnten. Die beiden Unternehmen beschäftigten zusammen rund 54 000 Mitarbeiter. Schering zählt in Berlin knapp 6000 Beschäftigte.

Das Unternehmen werde nach der Übernahme weiter wachsen, und die Schering-Mitarbeiter sollten dabei eine wichtige Rolle spielen, sagte Römer. „Berlin muss keine Angst haben.“ Die Übernahme sei auch für den Standort Deutschland wichtig, da kein deutsches Unternehmen mehr unter den Top Ten der größten Pharmaunternehmen der Welt sei. Im Juni solle die Übernahme abgeschlossen sein, sagte Römer.

Unterdessen hat Schering in den USA die Zulassung für einen seiner Hoffnungsträger, die Antibabypille Yaz, erhalten. Schering sieht darin eine Stärkung seiner Position im Abwehrkampf. Das Mittel soll laut Unternehmen einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro bringen.

Deutsche-Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti scheidet offenbar aus dem Schering-Aufsichtsrat aus. Zu der außerordentlichen Sitzung am Dienstag war er bereits nicht mehr erschienen. Grund ist ein Interessenkonflikt: Die Deutsche Bank berät Merck bei der geplanten feindlichen Übernahme des Berliner Unternehmens. Auf der Sitzung lehnte der Aufsichtsrat die Übernahme einstimmig ab.

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