Politik : Merck kauft heimlich Schering-Aktien

Anteil jetzt bei mehr als 18 Prozent / Übernahme des Berliner Unternehmens durch Bayer gefährdet

Heike Jahberg

Berlin - Die Übernahme des Berliner Pharmaunternehmens Schering durch den Konzern Bayer könnte doch noch scheitern. Der Bayer-Rivale Merck hat am Freitag heimlich weiter riesige Aktienpakete gekauft und erhöhte seinen Anteil an Schering somit von 10,1 auf 18,6 Prozent. Damit ist das Ziel von Bayer, 75 Prozent an Schering zu übernehmen, stark gefährdet. Der Leverkusener Konzern, der Schering im Übernahmekampf gegen Merck beigesprungen war, hat sich bisher 61,52 Prozent an Schering sichern können.

Mit der Übernahme von Schering durch Bayer soll der größte deutsche Arzneimittelhersteller entstehen, Sitz des neuen Pharmaunternehmens soll Berlin sein. Allerdings bestehen die Leverkusener darauf, 75 Prozent der Schering-Anteile zu bekommen. „Nur dann kann Bayer die Verschmelzung vornehmen und die Schering-Aktie aus dem Kurstableau streichen lassen“, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Tagesspiegel am Sonntag.

Das Übernahmeangebot, in dem Bayer den Schering-Aktionären 86 Euro pro Aktie bietet, läuft bis Mittwoch. Bayer-Chef Werner Wenning hatte am Freitag bekräftigt, Bayer sei „weiter fest zu einer Übernahme entschlossen“. Auf sein Übernahmeangebot scheint sich der Pharmariese nicht mehr verlassen zu wollen, auch Bayer kauft jetzt Schering-Aktien am Markt ein.

Dasselbe hat Merck bereits in erheblichem Umfang getan. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen vier Tagen gut 26 Millionen Schering-Aktien erworben. Allein am Freitag waren es 16,2 Millionen, wie aus Protokollen der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Bei einem Durchschnittskurs von knapp 86 Euro hat Merck damit allein am Freitag 1,39 Milliarden Euro investiert. Damit hält Merck jetzt insgesamt gut 35 Millionen Aktien. In Deutschland sind Käufe nur dann meldepflichtig, wenn der Erwerber erstmals mehr als fünf Prozent der Anteile erwirbt oder seine Beteiligung auf 25 Prozent aufstockt.

Merck selbst äußert sich zu seinen Motiven nicht. Analysten vermuten, dass die Darmstädter die Übernahme durch Bayer torpedieren wollen, um selbst zum Zuge zu kommen. Im März war Merck mit einem eigenen Übernahmeangebot von 77 Euro pro Schering-Aktie gescheitert.

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