Politik : Merkel bestellt Guttenberg ein

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Berlin/Barleben - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sucht nach einem Weg, die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zu bereinigen. Guttenberg sagte am Donnerstag nach der Rückkehr von einer eintägigen Afghanistan-Reise kurzfristig einen Wahlkampfauftritt in Barleben bei Magdeburg ab. Der Minister sei „in Berlin unabkömmlich“, erklärte der örtliche CDULandtagskandidat. Guttenberg führte im Laufe des Abends Gespräche mit Parteifreunden und traf sich danach im Kanzleramt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Vor dem Gespräch hieß es nach Angaben des ZDF, Merkel wolle „ein paar Erklärungen“. Offenbar erwog der Verteidigungsminister eine Entschuldigung. Ein Rücktritt erschien nach Hinweisen aus Parteikreisen aber unwahrscheinlich. Guttenberg wisse, welche Verantwortung für die gesamte Union auf ihm laste.

Im Laufe des Tages waren immer mehr Belege dafür aufgetaucht, dass Guttenberg in seine juristische Doktorarbeit fremde Texte eingebaut hatte, ohne sie wie vorgeschrieben als Zitate zu kennzeichnen. Darunter sind nach Berichten von „Spiegel online“ auch Passagen aus einem Vortrag des CDU-Verfassungsrechtlers und Ex-Verteidigungsministers Rupert Scholz, zudem Texte eines CDU-Europaabgeordneten und ein Absatz aus der Webseite der US-Botschaft. Die Universität Bayreuth stellte ihrem ehemaligen Doktoranden eine Frist von zwei Wochen, um sich schriftlich zu den Vorgängen zu äußern.

Der Präsident der Hochschule, Rüdiger Bormann, sagte, er gehe davon aus, dass Guttenberg seinerzeit eine ehrenwörtliche Erklärung abgegeben habe, die Arbeit selbstständig verfasst und alle Quellen offengelegt zu haben. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte Bormann. „Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe.“ Im schlimmsten Fall droht Guttenberg die Aberkennung seines Doktortitels. Der Minister hatte den Vorwurf der Täuschung als „abstrus“ zurückgewiesen und außerdem betont, er habe die Doktorarbeit ohne fremde Hilfe verfasst. Er hatte aber Unkorrektheiten nicht ganz ausgeschlossen.Robert Birnbaum

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