Politik : Merkel-Biograf Langguth ist tot

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Berlin - In der bevölkerten Arena der Politikexperten war er ein seltenes Exemplar: Gerd Langguth hat, anders als die meisten seiner aus Funk und Fernsehen bekannten Professorenkollegen, über Politik nicht bloß gelesen, sondern sie aktiv betrieben. Mit der Liste seiner politischen Ämter – vom CDU-Bundestagsabgeordneten, Vorstandsmitglied der Christlich-Demokratischen Union, Bevollmächtigten des Landes Berlin beim Bund, Chef der deutschen EU-Vertretung bis zum kommissarischen Leiter der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung – ließe sich umstandslos ein Vollzeit-Politikerleben füllen. Aber Langguth war daneben und vor allem auch Wissenschaftler.

Geprägt hat ihn wie viele seiner Generation die Studentenrevolte. Als Bundesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) stand er früh auf der anderen Seite der Barrikade; seine Promotion nach dem Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in Bonn hatte die 68er Jahre zum Thema.

Der Leidenschaft fürs Aktuelle blieb er treu, der Zuneigung zur CDU auch. Doch Langguth war nie Parteisänger, sondern kritischer Wegbegleiter. Nicht aus falscher Rücksichtnahme, sondern weil er Partei und Politik von innen kannte, fielen seine Urteile oft wenig schlagzeilenträchtig aus. Dafür waren sie immer realistisch. Seine Biografie über Angela Merkel (2005) ist bis heute Standardwerk. Gerd Langguth ist am Sonntag kurz vor seinem 67. Geburtstag nach langer Krankheit gestorben. Robert Birnbaum

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