Merkel-Biografie : Die Kirchen, der Krieg und die Kanzlerin

Merkel, die Protestantin Lange schien in Vergessenheit geraten zu sein, dass mit Angela Merkel erstmals eine Protestantin an der Spitze der katholisch geprägten CDU steht. Ihre öffentliche Kritik am Papst wegen der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson, die in der Partei umstritten war, hat darauf erneut ein Schlaglicht geworfen.

Andrea Nüsse

BerlinPassend dazu wurde am Mittwoch in Berlin eine neue Merkel-Biografie mit dem Untertitel „Die Protestantin“ vorgestellt. Darin untersucht Autor Volker Resing, der für katholische Kirchenzeitungen aus Berlin berichtet, das Religionsverständnis der Kanzlerin und dessen Einfluss auf politische Entscheidungen. Den Irakkrieg 2003 habe Merkel anders als die beiden großen Kirchen befürwortet, führt Resing als Beleg für seine These an, dass Merkel Glauben zuerst als persönliche und zuletzt als politische Angelegenheit sieht.

Zwar stellt der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, Merkel in die Tradition der Protestanten Ostdeutschlands, die Religion „nicht wie eine Monstranz“ vor sich her trugen. Doch bei der von Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff moderierten Debatte gab der Leiter des Verbindungsbüros katholischer Bischöfe in Berlin, Karl Jüsten, zu, dass es für die katholische Kirche „mit Schmerzen verbunden“ sei zu sehen, dass ihre Positionen nicht mehr „selbstverständlich“ bei der CDU aufgehoben seien. Als „Fehler“ bezeichnete Jüsten die öffentliche Form der Papst-Kritik der Bundeskanzlerin, auch wenn man inhaltlich die Position teile. Dem widersprach de Maizière, der darin ein Bekenntnis zur deutschen Verantwortung für den Holocaust sieht und Merkels Verhalten mit dem Luther-Wort erklärte: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“

Da die Bundeskanzlerin nicht mit dem Autor über das Thema Glaube und Religion sprechen wollte, stützt sich Resing auf veröffentlichte Äußerungen. Dennoch konnte er versichern, dass Merkel fast täglich bete, „aber nicht für politische Inhalte“. 

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