Merkel in Indien : Weit weg von der deutschen Innenpolitik

In Indien wird der Kanzlerin ein großer Bahnhof gemacht. Rund 6000 Kilometer von Berlin entfernt findet Angela Merkel aber doch noch einen Grund, sich zur deutschen Innenpolitik zu äußern.

Stefan Uhlmann[ddp]
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Der indische Premier Manmohan Singh und Kanzlerin Angela Merkel -Foto: dpa

Neu DelhiDoch nicht die Streitthemen mit der SPD bewegen Merkel in Indien entgegen der Maxime, wonach Erklärungen zu innenpolitischen Themen tabu sind, Stellung zu nehmen. Die neuen Arbeitsmarktzahlen nimmt Merkel in der Abenddämmerung von Neu Delhi zum Anlass für zweierlei. Die Daten seien "ausgesprochen erfreulich", sagt Merkel. Und sie seien ein Beweis, dass die Reformen fortgesetzt werden müssten, damit Deutschland auf dem Erfolgspfad weiter vorankomme.

Begrüßung wie bei einem Staatsoberhaupt

Merkel erfährt bei ihrem Besuch in Indien eine Wertschätzung, von der sie derzeit in der fernen deutschen Heimat nur träumen kann. Begrüßt wird Merkel wie ein Staatsoberhaupt. Premier Manmohan Singh hatte die Visite der Kanzlerin zum Staatsbesuch aufgewertet. Zum imposanten Präsidentenpalast wird die Limousine der Kanzlerin von 13 Reitern begleitet. Nach dem Abschreiten der Ehrenformation würdigt Singh Merkel als "great world statesman", was man mit Weltstaatsfrau übersetzen könnte.

Auch der nächste öffentliche Termin ist nach Merkels Geschmack. Zusammen mit Singh schickt sie einen festlich geschmückten Wissenschaftszug auf den Weg durch 56 indische Städte. Singh preist die wissenschaftliche Kompetenz Merkels, die frühere Physikerin zeigt sich beim Rundgang durch mehrere Waggons interessiert. Als sich der Zug in Bewegung setzt, schwenken Merkel und Singh grüne Fahnen. Auch später auf einem Wirtschaftsforum gibt es Lob für die Kanzlerin.

Umfrage: Bevölkerung empfindet Merkel als "Außenkanzlerin"

In Berlin muss sich Merkel hingegen des Vorwurfs erwehren, sie ducke sich aus der Innenpolitik weg und profiliere sich zu sehr über die Außenpolitik. Auch ein großer Teil der Bevölkerung nimmt Merkel als "Außenkanzlerin" wahr, wie eine jüngste Umfrage für den "Spiegel" ergab. Die Kanzlerin findet eine Unterscheidung zwischen Innen- und Außenpolitik "provinziell". Es gehe bei ihren Auslandsbesuchen auch um Chancen für die deutsche Wirtschaft und damit um Arbeitsplätze in Deutschland.

Die Inder finden indes, dass Merkel schon früher hätte kommen können. Die Kanzlerin betont dagegen, dass sie Singh mittlerweile schon viermal getroffen habe und häufiger mit ihm telefoniere. Auf dem Wirtschaftsforum muss sie aber lächelnd dennoch eingestehen, dass sie zu lange einer Einladung nach Indien nicht Folge geleistet habe. Der indische Handelsminister Kamal Nath erinnert daran, dass er Merkel vor 14 Jahren eingeladen habe, als beide noch Umweltminister waren.

Gute Nachricht von der Fifa

Am Abend bekommt die Kanzlerin dann noch eine gute Nachricht. Während der Pressekonferenz mit Singh wird der Kanzlerin ein Zettel mit der Nachricht zugesteckt, dass Deutschland im Jahr 2011 die Fußball-WM der Frauen ausrichten darf. Die Kanzlerin lächelt, Singh freut sich mit ihr.

Da fällt es Merkel auch nicht schwer, mit dem Lob umzugehen, das sie in Indien erfährt. Darauf angesprochen, sagt Merkel zum Abschluss des Besuchstages in Delhi: "Nehmen wir es mal für Deutschland insgesamt. Und ich persönlich schöpfe daraus natürlich dann auch wieder Kraft, weitere politische Probleme zu lösen, wo immer sie auftauchen."

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