Merkel in Israel : "Die mächtigste Frau der Welt ist zu Besuch“

Merkel wird in Tel Aviv ungewöhnlich herzlich begrüßt. am Montag finden erstmals deutsch- israelische Regierungskonsultationen statt.

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]
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Angela Merkel und Ehud Olmert -Foto: AFP

„Die mächtigste Frau der Welt ist zu Besuch gekommen“ – mit diesen Worten schloss Israels öffentlich-rechtlicher Rundfunk am Sonntag die Direktübertragung der Begrüßungszeremonie für Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. Sonst berichten die elektronischen Massenmedien in Israel eigentlich nur von der Ankunft amerikanischer Präsidenten live. Diesmal war es anders – denn die dreitägige Visite Merkels aus Anlass der 60-Jahr-Feiern des jüdischen Staates gilt der Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen. An diesem Montag sollen in Jerusalem erstmals deutsch-israelische Regierungskonsultationen stattfinden.

Nicht nur die Berichterstattung bei der Ankunft Merkels war außergewöhnlich, sondern auch die Wertschätzung, die der Kanzlerin gerade in den Begrüßungsworten von Ministerpräsident Ehud Olmert zuteil wurde. Er sprach von ihrer „außerordentlichen Freundschaft“ für Israel, ihrer „Nahost-Politik der grundsätzlichen Sympathie und der Fairness“, ihrer „Inspiration im Kampf gegen den Terror und die atomare Aufrüstung“ des Iran. Olmert erinnerte auch daran, dass Merkel die erste ausländische Regierungschefin war, die er nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren getroffen hatte. Seither sei sie für ihn „zu einer engen Vertrauten und strategischen Verbündeten“ geworden. „Das Volk in Israel schätzt ihre Freundschaft und ihr Wirken“, erklärte der Regierungschef.

So menschlich haben die Israelis ihren Regierungschef, der von sich selbst bezeugt, dass er höchst unpopulär sei, selten reden gehört. Merkel reagierte sofort, indem sie sich für den tatsächlich „überaus herzlichen Empfang“ bedankte und dann klugerweise die schwierige Vergangenheit ansprach: Die Kanzlerin erklärte, sie sei „im Bewusstsein der besonderen Verantwortung“ gekommen, um „ein neues Kapital in den Beziehungen aufzuschlagen“. Zwar gebe es Deutschlands „immerwährende, geschichtliche Verantwortung, aber auch (gemeinsame) Zukunftsprojekte“.

Die Kanzlerin sprach sich bei ihrer Ankunft zudem für eine Zwei-Staaten-Lösung in dem israelisch-palästinensischen Konflikt aus. Doch diese ist weit entfernt. Weder Israelis noch Palästinenser teilen den vorsichtigen Optimismus des US-Präsidenten George W. Bush und seiner Außenministerin Condoleezza Rice. Beide hoffen immer noch, dass bis Jahresende die Endstatusregelung zumindest abgesteckt ist. Der nach kurzer Unterbrechung wieder aufgenommene Raketenbeschuss israelischer Ortschaften durch radikal-islamistische Kommandos aus dem Gazastreifen verhindert Verhandlungsfortschritte. Vor allem aber macht die brutale Herrschaft der Palästinenserorganisation Hamas über den Gazastreifen die Gründung eines palästinensischen Staates, wie Merkel ihn ansprach, als Vorbedingung für einen israelisch-palästinensischen Frieden unmöglich.

Nach der Begrüßung in Tel Aviv flog die Bundeskanzlerin per Hubschrauber zur „Ramon Airbase“ in die Negev-Wüste weiter, wo sie von Israels Präsident Schimon Peres erwartet wurde. Dass der greise Friedensnobelpreisträger sich in die Wüste bemühte, um die Kanzlerin zum Grab des Staatsgründers David Ben Gurion zu begleiten, hat zwei Gründe: Zum einen bezeichnet sich Peres zu Recht als Ben Gurions engsten Vertrauten und Schüler. Zum anderen drückte Peres so gleichzeitig auch die hohe persönliche Wertschätzung aus, die auch er für den Gast aus Deutschland empfindet.

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